Autor Thema: Kappa 6, Kondensatoren austauschen  (Gelesen 440 mal)

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Offline Rille

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Kappa 6, Kondensatoren austauschen
« am: Donnerstag, 04.Januar.2018 | 21:05:01 Uhr »
Hallo Forum,

Ich bin neu hier und brauche etwas Unterstützung bei der Instandsetzung meiner Boxen.
Ich habe vor ein paar Wochen meine alten Kapper 6 wieder ausgegraben und bin nun damit beschäftigt sie wieder herzurichten. Neue Sicken haben sie schon jetzt sind die Kondensatoren dran.

Vom Löten habe ich etwas Ahnung aber mit Weichen kenne ich mich nicht aus. Deshalb wollte ich Euch fragen ob meine unten beschriebene Zusammenstellung und Tausch der Kondensatoren so richtig ist.

zu 1 (C1+C2)
Hier verstehe ich die Kombination von 4,5 und 0,01 uF nicht. Mit den Begriffen „solen“ und „wonder“ kann ich nichts anfangen. Ich würde mich freuen  wenn mich da Jemand aufklärt. Ich hätte hier zwei Audaphon MKP-Kondensatoren, einen mit 1 uF und einen mit 3.5 uF genommen.

zu 2 (C3+C4)
Hier würde ich einen Audaphon MKP 10 + 25 uF mit einem Elektrolytkondensator, rau, bipolar, 5%, 10 + 15uF kombinieren.

zu 3 (C5)
Jeweils einen Elektrolytkondensator, glatt, bipolar, 5%, 1 + 1,5 + 10 uF.

zu 4 (C6)
Hier einem Elektrolytkondensator, rau, bipolar, 5%, 100uF.


Bitte klärt mich auf wenn das alles Quatsch ist.
Danke schon mal und viele Grüße.
Rille

Offline dcmaster

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Re: Kappa 6, Kondensatoren austauschen
« Antwort #1 am: Freitag, 05.Januar.2018 | 16:06:22 Uhr »
Hallo und herzlich willkommen hier im Forum "Rille" (das ist aber nicht Dein Name!?),

also erstmal schön, dass Du die alten Schätzchen erhalten willst. Mit den Infinity Kappa 6 hast Du schon mal eine klasse Vorlage, die es auf zu arbeiten lohnt.

Zu den Punkten 1-4.
1. (C1+2) der C2 ist ein Wondercap (Hersteller Wonder) mit 0,01 µF der die Aufgabe hat, extrem schnelle Signale vom Verstärker möglichst ohne Zeitverluste durch lange Ladezeiten an den Hochtöner zu leiten. Dieser kleine (scheinbar unsinige) Wert macht genau das. Schnell auf / umladen ohne Zeitaufwand. Der C1 ist ein 4,5µF Folien Kondi von Solen (Hersteller). Dieser ist berechnet für die Trennfrequenz von 4500 Hz.

Den Wert kannst durch Kombination von guten Folienkondis ersetzen. 3,5 + 1 µF sind da schon gut. Wichtig ist hier echt gutes Material und kein Billigschund.

2. C3+C4. Da hast Du vor den Wert von insgesamt 30µF durch 10+25µ (das sind schon 35µF!!) und dann noch mal 10+15µF (das sind nochmal 25µF) zu ersetzen. Das geht so nicht! Da dieser Kondi für den Mittelton eingesetzt wird, sollte der qualitativ sehr hochwertig sein, weil hier die Ohren am sensibelsten sind. Da haben Elkos gar nichts mehr zu suchen! Hier hast Du die Wahl zwischen (billig) 15+15µ mit zwei Folien, oder besser für ein sehr ordentliches Klangbild eine Mehrfachkombi aus 15+4,7+3,3+3,3+2,7+1µF (ergibt exakt die ursprünglichen 30µF, alles Folien) Kondis. Der Vorteil ist hier ein sehr luftiges / durchsichtiges Klangbild im Ergebnis. Den Unterschied gegenüber nur 2 Kondis hörst Du sofort.

Das klingt erst mal übertrieben und teuer, lohnt sich aber im Ergebnis trotzdem. Ich habe das früher sehr oft nach diesem Schema mit großem Erfolg gemacht.

3. C5. Hier sollte mengenmäßig das Minimum an Kondis rein. Deine Auswahl ist hier genau richtig, aber bitte auch hier nur Folien!

4. C6. Auch hier hast Du schon genau das richtige geplant. Da es hier um den Bass geht, kommst Du lastseitig auch um einen rauhen Elko nicht herum. Nimm aber einen 100V Typ.

5. Ja, das ist genau so gemeint. Für den Hochton hast Du im Original eine nicht mehr zuverlässig funktionierende "Thermosicherung". Das Ding ist sehr gealtert und schaltet nicht mehr sicher bei der Vorgabe ab. Das ist das kleine 10x30x5 mm schwarze Kästchen im Plastikgehäuse. Das Ding solltest Du gegen eine sehr zuverlässig arbeitende Schelzsicherung von 1,25 A F ersetzen. Ich habe hier immer die 6,3x32 mm US Sicherungen genommen, weil dieim Sicherungselement die größeren Kontaktflächen hat, was kleinere Übergangswiderstände mit sich bringt. Bei Überlastung ist es günstiger eine Sicherung für 0,30 Euro als ein neues Bändchen für ca. 80,- Euro zu wechseln.

6. Ja, es geht noch weiter. Die Regler im MT und HT sind bekanntermaßen immer mit miserablen Kontakten gesegnet (Oxydation). Soll heißen, mal gehts, mal nicht. Das macht sich mit "kratzenden" Geräuschen bemerkbar. Ist nicht gerade der Bringer. Wenn Du die Regler absolut nicht brauchst, weil Du vermutlich nie was daran geregelt hast, kannst Du diese auch gegen Festwiderstände tauschen.

In dem Fall würde ich dort die "imaginäre" Mittelstellung wählen, also einen Wert von 2,5 Ohm. Diesen Wert solltest Du aber nicht mit einem einzigen Widerstand ersetzen, sondern lieber aus mehreren parallelen Widerständen, die in der Summe aber den Gesamtwert von 2,5 Ohm haben. Der Satz besteht dann aus 6x15 Ohm/5W vom Typ MOX (das sind keine gewickelten Drahtwiderstände - MetalOXyd und sehr induktionsarm). Der Vorteil dieser Variante ist ein größerer "Kabelquerschnitt", weil es nun 6 Drähte von ca. 0,4mm² sind und zugleich der Gesamtwiederstand nun 6x5 W und damit 6x30 W hat. Der wird auch bei längeren Hochleistungen nicht mehr groß warm, was ein Driften wegen der Tempereatur nicht mehr aufweist.

Übrigens gilt das mit dem Kabelquerschnitt auch bei vielen Kondis. Das macht aber nur bei "im Signalweg liegenden" Kondis Sinn. Wenn wir schon beim Kabelquerschnitt sind, könnte sich auch ein Blick auf die Originalverkabelung lohnen. Wenn diese noch nicht ausreichend dick ist, kann man hier auch gleich noch eine weitere Verbesserung einbringen. Im Bass macht das weniger Verluste wegen dem hohen Strom aus. Im MT und HT (besonders HT) macht sich das in feineren Auflösungen und mehr Räumlichkeiten bemerkbar und kostet echt nicht die Welt. Ich habe da immer 2x 2,5mm² genommen.

Aber bei dem Kabel bitte niemals das billige CCA sondern immer OFC Kabel verwenden. Beim OFC sind 100% Kupfer drin und beim CCA höchstens 1%  Kupfer!

Sodele, ich denke das wars. Noch Fragen? Dann frage mal.

Klausi
« Letzte Änderung: Freitag, 05.Januar.2018 | 16:23:16 Uhr von dcmaster »
Wer Musik mag, sollte sie nicht nur hören sondern besser noch genießen - und ich genieße sie sehr.

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Offline Rille

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Re: Kappa 6, Kondensatoren austauschen
« Antwort #2 am: Samstag, 06.Januar.2018 | 00:37:05 Uhr »
Hallo Klausi,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Deinen Rat kann ich soweit nachvollziehen und werde das auch so umsetzen. Danke auch für den Tipp mit den Reglern und der Thermosicherung.
Es ist immer wieder schön auf Leute zu treffen die Ahnung haben und bereit sind zu helfen.

Viele Grüße
Rille

Offline dcmaster

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Re: Kappa 6, Kondensatoren austauschen
« Antwort #3 am: Samstag, 06.Januar.2018 | 16:39:23 Uhr »
Yepp,

leider sind nicht alle Leute so hilfsbereit. Ich habe da schon einige leidliche Erfahrungen gemacht. Hier im Forum ist das aber nach meiner Erfahrung anders. Hier "werden Sie geholfen".

Wenn Du noch Fragen hast, melde Dich ruhig. Wie meine Arbeiten aussehen, hast Du sicher schon gesehen. Wenn nicht, kannst Du Dir einige Muster hier ansehen: http://www.top-audio.de/service/hl-refreshing/referenzen/index-hl-beispiele.htm.

Da ist unter vielen anderen auch die Kappa 6 dabei. Das soll Dir helfen, Dich zurecht zu finden.

Klausi
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