Autor Thema: Luxman K-10 / K-12 Tutorial Erneuerung Capstanriemen  (Gelesen 2058 mal)

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Offline BorisK

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Luxman K-10 / K-12 Tutorial Erneuerung Capstanriemen
« am: Montag, 26.November.2012 | 00:28:43 Uhr »
Hier in diesem Tutorial beschreibe ich die Erneuerung des Capstanriemens eines Kassettendecks Luxman K-10. Nach meiner Einschätzung ist diese Laufwerkseinheit identisch mit der des Luxman K-12, somit dürfte dieses Tutorial auch für dieses Deck entsprechend gelten. Vorweg gesagt, es wird etwas „friemelig“, es ist aber durchaus zu bewerkstelligen. Etwas Vorsicht ist angebracht und ausreichend Zeit sollte natürlich eingeplant sein.


Da wir sowohl von Oben als auch von Unten an das Laufwerk heran müssen, müssen wir die obere Blecheinhausung und auch das Bodenblech
entfernen. So bekommen wir gleichzeitig auch einen besseren Einblick in die Funktionsweise und die mechanischen Abläufe.
Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich das Laufwerk für den geplanten Wechsel des Capstanriemens eingebaut belassen kann. Für einen Ausbau des Laufwerks hätte man noch weitere Verschraubungen frontseitig lösen müssen, auch hätte sich dann die Frage gestellt, inwieweit sich das mit den Kabelwegen der vielen Kabel bewerkstelligen lässt.
Doch wie es sich herausstellte, sollte es auch ohne Komplettausbau gehen.

Wie schnell zu erkennen ist die Laufwerkseinheit des K-10 in drei Ebenen aufgebaut. Als vorderste, frontseitig, die Ebene, wo die vielfältige
Mechanik angeordnet ist, hier sind auch die jeweiligen Riemen zuhause. Dahinter, sozusagen in der Zwischenebene, die Motorebene mit den zwei Motoren. Als dritte Ebene die Steuerungsebene in Form einer in Richtung Gehäusemitte angeordneten Platine. Eine erste genauere Betrachtung zeigte bereits, dass der Capstanriemen nur über ein „Hindurchfedeln“ durch eine andere Ebene, von der Mechanikebene über die Mittelebene und wieder zurück, dem Laufwerk abzuringen ist.
Diese drei Ebenen gilt es also voneinander zu lösen, soweit auseinander zu bringen, dass ein entsprechendes „Hindurchfedeln“ möglich ist.

In den folgenden zwei Abbildungen der Auf- und Untersicht des K-10 sind mit blauen Pfeilen die Punkte gekennzeichnet, mit denen wir die Trennung der drei Ebenen vorbereiten. (Wichtige Dinge werde ich darüber hinaus in den weiteren Abbildungen ebenso in Farbe blau eintragen)





Wie in der unten stehenden Ausschnittsvergrößerung zu erkennen, dient das Trennblech zwischen der vordersten Mechanikebene und der mittleren Motorenebene gleichzeitig mit Lochungen als Lageraufhängung unterschiedlicher mechanischer Bauteile. Diese Bereiche sollte man sich gut einprägen, da für den späteren, erneuten Zusammenbau die Stege der Bauteile wieder in ihre entsprechende Lochungen auf dem Trennblech gebracht werden müssen.
Auch sind bereits hier zwei Federwickel zu erkennen, die vor Trennung der Ebenen aus ihren Ankerlochungen zu lösen sind. Sie stehen jedoch nicht unter hoher Spannung und lassen sich mit ihren Enden leicht etwas neben die Lochaussparung legen.







Wir merken uns zudem die Stabachsen auf die die Federkörper aufgesteckt sind, die Enden der Stabkörper müssen im späteren Zusammenbau der Laufwerksebenen wieder in ihre Lochungen im Trennblech eintauchen. Nachdem wir die Federn gelöst und uns die Positionen gemerkt haben, wo die Stabachsen später wieder in das Blech tauchen müssen, lösen wir die zwei rückseitigen oben gelegenen Verschraubungen auf der Seite der Platine.





Das Lösen dieser zwei Schrauben genügt, um die Platine vorsichtig nach oben aus den unterseitigen Halterungen herausziehen zu können. Denn deckunterseitig ist die Platine nicht verschraubt, sie wird nur in Aussparungen der zwei unterseitigen silbernen Sechskantgewindestäbe geführt. Eventuell sind jetzt der eine oder andere Kabelbinder um mehr Bewegungsfreiheit für die Platine zu bekommen zu entfernen.

Die abgeklappte Platine zeigt sich dann folgendermaßen:



Nun lösen wir ebenso die vier Sechskantgewindestäbe von der vordersten Ebenen , zwei davon sind laufwerksoberseitig und zwei davon laufwerksunterseitig angeordnet. Ergänzend sei hierzu vielleicht bemerkt, dass diese nicht, wie zunächst anzunehmen, in einem Kunststoffgewinde geführt sind, sondern hier ist ein Metallgewinde in die schwarzen Kunststoffröhren eingelassen.

Wie gesagt, wir müssen alle vier Stäbe ganz entfernen.



Nun ist auch die Mittelebene „frei“ und sie lässt sich ganz vorsichtig ein wenig von der vordersten Ebene wegziehen.



Wenn wir nun dem Weg des Capstanriemens in seinem Verlauf durch vorderste Ebene erneut verfolgen bestätigt sich noch einmal die Annahme, dass eine Entnahme nur durch zusätzliches „Durchfedeln“ durch die Mittelebene des Laufwerks möglich sein wird. Es ist dort in vorderster Ebene ein gekantetes Blech im Weg, welches bis in die Mittelebene hineinreicht.
Die Aussparung um dieses Blech ist jedoch ausreichend groß bemessen, sodass wir den Riemen jeweils seitlich vorbeiführen können.



Dieses Blech endet in der Mittelebene jedoch nicht einfach mit einem freien Ende, es ist zudem Teil der Mechanik für den Andruck des Tonkopfschlittens. Somit wird uns noch eine Hürde in den Weg gelegt, den diese, ich nenne sie jetzt große Führungsschiene, muss zunächst auch demontiert werden.
An dieser großen Führungsschiene sind zwei Federn befestigt, die wir dafür zuerst lösen müssen.

Die erste Feder zu lösen sollte kein großes Problem darstellen und das Aushängen ging auch recht einfach.



Recht schwierig und umständlich gestaltete sich das Lösen der zweiten Feder. Wie hier in der Abbildung im „Zahnarztspiegel“ zu erkennen liegt sie schlechterweise innerhalb der großen Führungsschiene selbst.



Ich habe es mehrmals mit unterschiedlichen Werkzeugen versucht und bin jedes Mal gescheitert, bis ich schließlich  in einem Werkzeugset zur Platinenreinigung etwas gefunden habe, was vorne ähnlich einem Haken ist. Diesen Haken etwas seitlich abgebogen, ermöglichte das Werkzeug ein Eindringen in den Zwischenraum der großen Führungsschiene und das Greifen des unteren Federendes. Zwar gelang das Lösen der Feder auch so nicht bei dem ersten Versuch aber schließlich dann doch.



Nach dem nun erfolgten Lösen der beiden Federn kann man dieses Bauteil bestehend aus der großen Führungsschiene und dem daran hängenden Metallstab zu sich drehen und für die später geplante Riemendurchführung ganz dem Laufwerk entnehmen. Dieser schwarze Metallstab ist Teil der Mechanik aus Elektromagneten und Ferritstab(?) zum Bewegen des Tonkopfschlittens.
Ganz wichtig ist es, darauf zu achten, dass der Schaltkontakt, wie er in der untenstehenden Abbildung zu sehen ist, später bei dem Zusammenbau der Laufwerksebenen wieder oben auf dem Blechsteg aufliegt. Hier wurde er zwischenzeitlich davor geschoben, da so das Lösen der Feder aus dem Zwischenraum der großen Führungsschiene durch mehr Bewegungsspiel der Mechanik einfacher war.
Es ist sehr wichtig, dass er im Zusammenbau wieder in die alte Position zurückfindet.



Hier noch eine Abbildung des ausgebauten Bauteils zur Bewegung des Tonkopfschlittens bestehend aus großer Führungsschiene und Ferritstab mit darauf aufgezogenem Gummirings zwecks Anschlagsdämpfung.



Nun kommen wir zum eigentlichen Vorgang, dem Herausnehmen des Capstanriemens. Gelöst von dem Schwungrad und der Motorführung zeihen wir ihn vorsichtig, ich benutze hierzu, egal ob's nun der Alt- oder Neuriemen ist, eine weiche Kunststoffpinzette, zunächst an dem ersten Metallstab vorbei (in der unteren Abbildung Pfeil 1). Hierzu müssen ggf. wir die mittlere Laufwerksebene etwas von der vorderen wegziehen, aber nur soviel, wie gerade nötig, um mit dem Riemen an dem Metallstab vorbei zu gelangen.
Im zweiten Schritt führen wir den Riemen durch die Öffnung des Trennbleches der Ebenen hinter dem gekanteten Metallprofil in Richtung mittlere Laufwerksebene (Motorenebene) (in der unteren Abbildung Pfeil 2).
Mit Schritt 3 (in der unteren Abbildung Pfeil 3) führen wir den Riemens in unsere Richtung über das Blech hinaus und ihn mit Schritt 4 (in der unteren Abbildung Pfeil 4) wieder zurück in die vordere Laufwerksebene, womit wir ihn gänzlich befreit haben und ihn dann herausnehmen können.



Nun, da liegt er endlich! Und er sieht ja doch eigentlich noch ganz schick aus.



Im Vergleich zu dem Neuriemen sieht man allerdings, wie er über die vergangene Zeit an Spannung verloren hat.



Entsprechend an dieser Stelle Zahlen zu den Durchmessern der beiden Riemen wie ich sie vermessen habe:

Durchmesser des Altriemens:  ca. 9,1cm
Durchmesser des Neuriemens: ca. 8,75cm
Querschnitt des Neuriemens: Breite 4mm / „Dicke“ ca. 0,5mm
(Die „Dicke“ des Neuriemens kann ich auf Grund der kleinen Maße nur nach Augenmaß schätzen)

Für die Einführung des Neuriemens zwischen den Laufwerksebenen hindurch gelten entsprechend oben beschriebene Schritte 1-4 nur, ganz klar,
in umgekehrter Reihenfolge.
Danach legen wir den Neuriemen auf das Schwungrad und die Motorführung auf, kontrollieren noch einmal seinen Weg auf freien Lauf und begeben uns
an den Wiederzusammenbau der Laufwerksebenen. Je nach Grad des Auseinandergezogenseins der Laufwerksebenen kann es sein, dass der Reimen in diesem Zwischenstadium des Zusammenbaus noch leicht an einer der Achsstäbe der Mechanik anliegt. Im Fortgang des Zusammenbaus, wo die Achsen und ihre Aussparungen bzw. Lagerführungen wieder zusammengefügt werden hebt sich diese "Bauteilnähe" jedoch auf.
Wir setzen die Mechanik zur Bewegung des Tonkopfschlittens wieder in das Laufwerk ein, befestigen beide Federn wieder an ihrem zugehörigen Ort, und, wichtig!, bringen den zuvor beschriebenen Schaltkontakt wieder in seine oben beschriebene Position auf dem Metallsteg; schauen, dass wirklich alle Achsstäbe sich wieder in ihrer dazugehörigen Lochung befinden.
Wir befestigen wieder die vier Sechskantgewindestäbe, gesichert wie im Originalzustand mit etwas Schraubensicherungsflüssigkeit im Gewindegang, setzen die rückseitige Platine wieder ein und befestigen diese wieder mit den zwei zu Beginn entfernten Schrauben. Ergänzen eventuell auch zu Beginn entfernte Kabelbinder durch netsprechend neue Binder.

Nun, das war's auch schon. Ich habe, wenn ich überlege, für den gesamten „Eingriff“ vielleicht etwa vier Stunden gebraucht. Wenn man vorher bereits weis, wie man vorgehen soll, benötigt man sicher weniger Zeit. Vom Zeitaufwand am schwierigsten einzuschätzen ist sicher die zweite Feder der großen Führungsschiene.
Hier gehört auch etwas Glück zum ergreifen des Federendes dazu.
Dieses Spiel mit dem Federende erinnerte mich ein wenig an das Spiel mit den Angeln und den Magneten und den Magneten und den Fischen, wo man nicht ins „Becken“ schauen kann.

 ;0008

So ganz ähnlich kam mir die Situation vor.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Riemenwechsel zumindest bei diesem Luxman K-10 (und wohl auch dem K-12) nicht gerade unkompliziert ist. Ich habe zum Vergleich bisher nur bei Geräten der Marke Pioneer Riemen erneuert und dort ging es wirklich sehr viel einfacher.

Aber, es ist (Nach-)machbar.

Wichtig: Dieses Tutorial wurde für das Luxman K-10 geschrieben. Ich bin der Meinung, dass es auch ebenso für ein Luxman K-12 Gültigkeit hat, dennoch sollte man vor dem Eingriff in ein K-12, vielleicht anhand der Abbildungen, die „Gleichheit“ beider Laufwerke abschließend überprüfen.

Für Nachfragen und Anregungen, aber auch gegenüber Hinweisen, falls ich Dinge nicht richtig oder nur zu ungenau beschrieben habe, stehe ich immer gerne zur Verfügung. Den einen oder anderen Rechtschreibfehler möge man mir verzeihen.

 :_hi_hi_:

Beste Grüße
BorisK

Offline kuni

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Re: Luxman K-10 / K-12 Tutorial Erneuerung Capstanriemen
« Antwort #1 am: Montag, 26.November.2012 | 08:06:45 Uhr »
Schöner Bericht, Boris  :_good_: - und ganz schöne Pfriemelei, aber so sind sie halt, die Japaner ...
Gruß, Kuni
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