Autor Thema: Einmessen bei einer AS-600x ohne Messmittel oder was braucht man  (Gelesen 4665 mal)

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Offline Jürgen Heiliger

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Einmessen bei einer AS-600x ohne Messmittel oder was braucht man
« am: Samstag, 12.September.2009 | 23:59:15 Uhr »
Hallo Freunde,

ich möchte an einem Beispiel mal aufzeigen, wie man sich eine Einmessung verhaut ----- oder wie man es besser macht.....

Angenommen den Fall..... man hat eine AS-6002 ersteigert....... und.....

Das Gerät ist wunderbar und die Laufwerksteuerung und VU-Meter funktionieren gut.


Aber:
Die Klangqualität ist außerordentlich mäßig.

Ich habe mir die "Technischen Informationen" besorgt und will mich an die Einmessung wagen.
Da ich aber kein vernünftiges Werkzeug dafür habe (NF-Generator, Audio-Millivoltmeter, Frequenzzähler, Oszilloskop) habe ich es zunächst nach Gehör und dann mit einer mittels PC erstellten Test-CD mit den in der Anleitung geforderten 333Hz und 16kHz sowie einem Computer mit Soundkarte und FFT-Spektrumanalyseprogramm versucht.

Bereits die Ergebnisse "nach Gehör" waren nicht vielversprechend, da man den auftretenden Höhenverlust mit den Trimmkondensatoren scheinbar nicht mehr ausgleichen kann, wenn ich die Kapazität gegen 0 laufen lasse, produziert das Gerät langsam immer mehr dramatische Verzerrungen. Während bei 19cm/s das Ganze noch halbwegs in den Griff zu bekommen ist, geht bei 9,5cm/s praktisch nichts mehr. Ein Blick auf die Köpfe zeigt ferner scheinbar einen ziemlichen Einschliff.

  • Doch halt, was besagt eigentlich der Einschliff an den Köpfen..... zuerst einmal nur den Fortschritt eines Verschleißes und nicht mehr.....
    Denn so lange eine Einmessung noch einwandfrei zu machen ist, sind die Köpfe in Ordnung

Ein Blick in das Gerät zeigt ferner bzgl. der Bauteile ein uneinheitliches Bild: Vorn im Netzteil werkeln zwei große FRAKOs. Hinten auf der Logikplatine sitzen blaue Philips-Elkos. Auf den Einsteckkarten rechts und der Grundplatte stecken orangefarbene Elkos, deren Hersteller ich nicht ermitteln konnte. Ist das so original? Oder hat hier schon jemand herumgefrickelt?

  • ..... die Frakos und auch die blauen Philipse wird ein jeder Techniker auswechseln wollen

Bei den Einmeßversuchen mit PC-Oszilloskop und Testton-CD zeigte sich ferner ein interessantes Bild :-). Das Gerät produziert über Band eine ganze Menge an Obertönen, wenn es doch nur 333Hz speichern soll; und bei 16kHz fällt ihm die Reproduktion spürbar schwer. 13kHz und 10 kHz gehen schon viel besser. Besonders auf dem einen Kanal sieht's düster aus.

Also, liebe Leute, wer könnte mir hier weiterhelfen? Sind die Köpfe hinüber? Wie sehen denn neue/abgedudelte Recovacs aus, damit ich meinen Zustand mal einschätzen kann? Soll ich alle Elkos tauschen? Sind meine Einmessversuche Humbug? Hat jemand von Euch schon mal eine ASC 6000 instandgesetzt? Und was hat man sich eigentlich bei der Platzierung der Einmesstrimmer hinter der Logikplatine gedacht? ;-)

Als Band verwende ich altes BASF LP 35 Ferro LH, das ich 1981 als kleiner Junge für ein Grundig TK 141 gekauft und einmal bespielt hatte und seit dem geduldig auf bessere Zeiten wartete ;-)




Doch halt, Ihr sagt natürlich zu Recht..... so geht dies nicht.....

Denn zuerst wäre einmal zu entscheiden, auf welcher Geschwindigkeit soll die 600x eingemessen werden......
und dann muss man sich entscheiden, welche Qualität soll später meine Einmessung haben.....
Will ich ordentliche Qualität, bleibt mir nur der Weg mir ein Messband zu besorgen...... einiger Maßen kann man sich natürlich auch behelfen mit einem Messband von Bluthard..... soll es aber ganz genau sein, rate ich zu einem Bezugsband der Qualität der ehemaligen EMTEC.....
Notfalls wirklich sich einmal die Mühe machen, die Maschine unter die Arme, und zu einem Forenfreund fahren und dort wenigstens den Weidergabeteil einmal richtig abgleichen..... solch hilfsbereite User soll es wirklich geben.....  :flööt:

Zur Vorgehensweise:

Wiedergabeteil

Das von Bandmaschinenhersteller benannte Band auf die 600x legen, in diesem Fall das DIN 9 ( NAB 120/3180µs | 250 nWb/m = 0 dB = 775 mV), und per Playback-Level-Poti (R-228 = Links | R-232 = Rechts) die Ausgangsspannung auf 775 mV einstellen. ---- Dabei müssen die Output-Rgler an der Front komplett aufgezogen sein! ---- Mit Umrechnung der jeweiligen Werte (eventuell nötig) kann natürlich auch ein anderes Bezugsband (Pegel/Geschwindigkeit) zur Hilfe genommen werden (zumindestens wenn NAB entzerrt).

Danach geht es an die Einstellung des Wiedergabekopfes, zunächst als Überprüfung des Azimuthwinkels ----- also der Senkrechtstellung der Köpfe zur eigentlichen Magnetspur -----
Hierzu gibt es auf dem Bezugband zwei unterschiedliche Messtöne 1 kHz und 10 kHz, aufgenommen 10 dB unter der Vollaussteuerung.....
Ersterer Ton wird zum Pegelmaximum Abgleich benutzt, Zweiterer zur eigentlichen Einstellung...... Am besten macht man diese Einstellarbeit mittels eines Oszilloskopes.....
Dazu werden beide Kanäle (Rechts und Links) jeweils am Oszilloskop zugleich angeschlossen und die Darstellung auf Zweikanalig x-y eingestellt. Spannungsbereich 0,5V/Device, AC.

Links die Darstellung einer nicht optimalen Lissajous Figur
Kopf sollte überprüft werden in der Azimuth-Einstellung
Dies geschieht über 2 Schrauben in diesem Fall ( F, G )
Rechts die Darstellung eines Optimal eingestellten Kopfes
Ein leichtes bauchig werden oder Schwanken in der Mittelachse ist tollerierbar, aber nicht mehr als im Linken Bild zu sehen.

Sollte diese Einstellung auf diesem Wege nicht zum Erfolg führen, sind weitere Einstellungen an den Köpfen zu überprüfen (in diesem Falle Wiedergabekopf).

Waren wir bis hierhin erfolgreich, wäre meine Vorgehensweise den Wiedergabe-Frequenzgang zu überprüfen...... dazu befindet sich auf den Bezugsbändern ein Frequenzgangteil der mit 20 dB unter Vollaussteuerung aufgenommen wurde...... und folgende Frequenzen enthält.....
1 kHz | 31,5 Hz | 40 | 63 | 125 | 250 | 500 Hz | 1 kHz | 2 | 4 | 8 | 10 | 12,5 | 14 | 16 | 18 | 1 kHz (eventuell auch noch 20 kHz)
...... und würde mir tabellarisch die Ausgangsspannungswerte, in dB bezogen auf 1 kHz, notieren......

Sollte dabei ein deutlicher Hochtonanstieg zu verzeichnen sein, kann dieser gegebenfalls mittels der Regelspulen L-201 | L-202 justiert werden. Diese bewirken teilsweise ein Playback-EQ, dessen Wirkungsbereich noch geklärt werden muss, und wären dann solchen bezeichneten Trimmern, wenn die Wirkkung nachgewiesen ist, gleich zu setzen. (Die Wirkung ist abhängig des Induktivitätswertes der Spule!)
Die Abweichung darf ± 3 dB über den oben genannten Frequenzgang (bezogen 1 kHz) nicht übersteigen, bei einem guten Heimgerät.

An der Stelle ist der Abgleich/Eimessvorgang für den reinen Wiedergabeteil fertig.



Nun gehen wir an die Einstellung / Abgleich des Aufnahmeteils.....

Einstellen des Aufnahmekopfes.....

Dazu erst einmal per Signalgenerator (NF), oder selbsterstellter CD, einen 1 kHz Ton auf beide Kanäle in die 600x einspielen ---- Aussteuerungsregler und Masterregler voll aufgezogen ---- die Ausgangsspannung am "Signalgeber" so einstellen, dass am Ausgang der 600x gemessene 77,5 mV (NF-Millivoltmeter) anliegen. Nun die Frequenz auf 10 kHz erhöhen ohne die Spannung zu verändern ......
Nun wieder das Oszilloskop am Ausgang anschließen und mittels Lissajous den Azimuth des Aufnahmekopf überprüfen. Gegebenenfalls per Schraube E und Gewindestift D einstellen.

Einstellen REC-Level......

Dazu nimmt man am besten ein 333 Hz Signal welches mit 775 mV eingespeist, Tapeschalter auf Source (Eingangsregler und Master komplett aufgezogen!), gemessen wird am Ausgang der 600x wieder mittels NF-MilliVoltmeter.
Nun die Aufnahme starten und den Tapeschalter auf *Tape* stellen. Nun ist am Ausgang die Spannung über Band zu messen. sollten sich Differenzen ergeben mittels Poti R-143 | R-144 (9,5 cm/s) abgleichen.
Die VU-Meter werden mittels 333 Hz und 2 V Eingangsspannung (Tapeschalter auf Source!) auf +3 dB mittels den Potis R-139 | R-142 abgeglichen.....

Und nun abweichend den ASC Serviceunterlagen weitergehend.......

Vormagnetisierung:
10 kHz / 77,5 mV Eingangsspannung, NF-MVm am Ausgang.......
Aufnahme starten...... den Tapeschalter wieder auf Tape stellen und die Vormagnetisierung mittels der Trimmpotis R-121/123 (9,5 cm/s) oder R-119/124 (19 cm/s) auf Höchstpegel abgleichen.... danach entsprechend der Bandherstellervorgabe, in diesem Fall LPR-35 LH Pro, die Vormagnetisierung weiter erhöhen, bis die "Ausgangsspannung" um 4 dB abgesunken ist. (bei 9,5 cm/s ist dieser Wert -2,5 dB; Messfrequenz aber 6,3 kHz!)

Nun mittels eines eingespielten 16 kHz Ton wird an den trimmbaren Spulen L-101/103 und L-102/104 (Achtung eine der beiden Spulen wirkt als HF-Falle! Es ist also zu prüfen welche der zwei Spulen die zustänige ist, bzw. sein wird) der Höhenfrequenzgang beeinflusst, d.h. begradigt. Es wird also auf geringste Abweichung gegenüber 1 kHz abgeglichen, in der Ausgangsspannung (dB), über Band gemessen.

Somit ist der Einmessvorgang abgeschlossen......



Wer noch etwas feilen mag an der Wiedergabe, wiederhole nochmals die Überprüfung / Einstellung des Aufnahmekopfs.
Und messe dann den Aufnahmefrequenzgang über Band, also auf Hinterbandstellung (Tape) am Ausgang mittels NF-MVm und vergleiche diesen mit dem Wiedergabefrequenzgang aus der Wiedergabeteileinstellung. Abweichungen von 1 dB sind tollerierbar, unter 0,5 dB als gut zu bezeichnen.


Ich hoffe damit einige Unklarheiten beseitigt zu haben.


« Letzte Änderung: Sonntag, 13.September.2009 | 11:07:25 Uhr von Jürgen Heiliger »
Gruß
Jürgen

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Re: Einmessen bei einer AS-600x ohne Messmittel oder was braucht man
« Antwort #1 am: Sonntag, 13.September.2009 | 16:23:14 Uhr »
Nachmittag,

von mir eine nur kleine Ergänzung, obwohl diese Verknüpfungsstelle zwischen Vormagnetisierungshochfrequenz und Nutz-Niederfrequenz unsereinen eigentlich juckt, ein wenig auf diesen nicht unwesentlichen, kritischen Bereich im Schaltungskonzept von Bandgeräten einzugehen.

Die Spulen L103/L104 der ASC 6000 sind auf jeden Fall Hochfrequenzfallen, taugen also für unsere Einmesszwecke nicht. Ob die Vorgeschalteten Spulen L 101/L102 noch -wie bei den Japanern- in den Nf-Bereich hineinragen, hängt -wie Jürgen oben schrieb- von der Induktivität (und damit hier von Bauweise) dieser Spulen ab. Wahrscheinlich versuchte der Konstrukteur lediglich, die Hf-Unterdrückung noch weiter zu treiben, so dass wir auch hier letztlich unser Einstellpulver schon verschossen haben.

Hier allerdings kann man die Hf-Rückwirkung auf die vorgeschalteten Aufsprechverstärker verringern, indem man (die A77-Serviceanleitung beschreibt das sehr schön!) das Gerät ohne Modulation im Aufnahmebetrieb arbeiten lässt (Hf-Generator läuft) und zwischen L101 und 103 bzw. 102 und 104 den "Hf"-Pegel misst. Das lässt sich mit jedem modernen "Nf"-Millivoltmeter bewerkstelligen, weil die "Hf" der Bandgeräte heute 'fast als Nf' gilt. Übliche Millivoltmeter reichen mit Minimalabweichungen wenigstens bis 300 kHz, die meisten gar bis 1 Mhz hinauf. Durch vorsichtiges, langsames Justieren der Spulenkerne (Vorsicht das Zeugs ist herzlich brüchig!) von L 103 bzw. L 104 mit einem nichtmetallischen Einstellwerkzeug tastet man sich an das durchkommende Hf-Minimum heran.

Dann klemmt man das Millivoltmeter um auf die Verbindung zwischen R 156 und C 113 bzw. R 157 und C 114 und wiederholt das Abgleichspiel mit L 101 und 102. Das müsste soweit zu treiben sein, dass am Fet-Schalter keine Hf mehr nachzuweisen ist.
Sollten indes L101/102 für die Nf gedacht sein, merkte man das daran, dass sie die Hf nicht mehr weiter dämpfen. Aber gegebenenfalls hat man ja schon vorher mal eine Geräteinmessung versucht, um dabei möglicherweise festgestellt zu haben, dass L101/102 in den Audiobereich eingreifen.

Auf jeden Fall liegen jetzt beide für die Trimminduktivitäten möglichen Aufgabenerklärungen auf dem Tisch, so dass sich der Einmesseleve selbständig orientieren kann.


Auch für den Wiedergabeverstärker vermute ich so etwas bezüglich L 201/202, weil mir die Serienkapazität von 68 pf für eine Abdeckung des Nf-Bereiches einfach zu klein ist. Der Scgaltungs versucht hier durch ein strafferes Anziehen der Gegenkopplung hochfrequenter, vom internen Hf-Oszillator stammender Störungen deren Vagabundieren im Gerät soweit wie mit geringerem wirtschaftlichem Aufwand möglich zu reduzieren.

Insoweit wird man wohl doch von Jürgens bezüglich der Einmessung geäußerten Hoffnungen oben Abschied nehmen müssen. Ausprobieren kann man es dennoch, denn durch meine Erklärungen weiß der Interessent jetzt ja, was sich -notfalls auch noch- hinter solch einem Schaltungskonzept an konstruktiven Gedanken verbergen könnte.

Übrigens sitzt der Konstrukteur vermutlich auch noch dieses Gerätes bei ASC auf nahcfolgend verlinktem Bildern inmitten alter Magnetbandler der Münchener Agfa-Ecke; er begann seine Tage bei Bruno Woelke, arbeitete später bei Braun und ASC und schließlich der BASF/EMTEC, wo er das Ende der Epoche der analog magnetischen Tonaufzeichnung gemeinsam mit alten Agfa-Leuten erlebte:

http://www.rueede-online.de/singhoff2/pages/pict1079b.htm
http://www.rueede-online.de/singhoff2/pages/pict1085b.htm

Hans-Joachim

AndreasTV

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Re: Einmessen bei einer AS-600x ohne Messmittel oder was braucht man
« Antwort #2 am: Sonntag, 13.September.2009 | 16:49:22 Uhr »
... Hans - Joachim lebt  :_good_:.

Mahlzeit zusammen  :_hi_hi_:.
Sehr interessante Gedanken die ich hier von euch Beiden vernehme  :__y_e_s:.

MfG

Andreas

Offline Jürgen Heiliger

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Re: Einmessen bei einer AS-600x ohne Messmittel oder was braucht man
« Antwort #3 am: Montag, 14.September.2009 | 12:55:19 Uhr »
Hallo Hans-Joachim,

ASC schreibt ja in den Einmessvorschriften davon den BIAS mittels 16 kHz-Ton ein zu stellen.
Ich habe einmal soeben in den Merkbättern rum gestöbert und gesehen dass sich aus den Merkblättern ein DeltaS-16kHz z.B. beim SM-468 ableiten ließe. Würdest Du also in diesem Falle die Einstellung nach Delta-S16kHz bevorzugen? ---- Und wenn ja, wie finden wir diesen Wert z.B. für das LPR-35 LH Pro heraus?

Mir scheint die Anweisung von ASC
Zitat
Für die Einmessung bei 19 cm/s einen 16 kHz mit 77,5mV einspeisen und diesen Mittels der Potis C121 (Links) / C123 (Rechts) über ein Optimum auf linearen Frequenzgang abgleichen.

für den Laien, der dies noch niemals gemacht hat, für zu sehr Fehler behaftet.
Gruß
Jürgen

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Offline PhonoMax

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Re: Einmessen bei einer AS-600x ohne Messmittel oder was braucht man
« Antwort #4 am: Montag, 14.September.2009 | 18:59:11 Uhr »
Lieber Jürgen,

nur damit wir nicht mit speziellen Freunden kollidieren, kommt von mir vorab eine kleine Besserwisserei, die aber der Orientierung unserer Mitleser dienen soll. Mehr nicht:
Die "Potis" deines Textes C121 und 123 sowie 119 und 124 sind Trimmkondensatoren, keine Trimmwiderstände. Die Aufgaben, die sie erfüllen, werden in anderen Geräten (z. B. in den konkurrierenden Produkten aus Regensdorf/Löffingen) aber von Trimmwiderständen wahrgenommen. Beide beeinflussen hier aber den Hf-Vormagnetisierungspegel. In der 6000 wird man an den Trimm-Cs vorsichtig kurbeln, um dem Delta-16-khz-Wert zu erreichen, der in den Datenblättern steht. Man kann diesen also ganz so, wie du das oben anregst, den hiesigen Datenblättern entnehmen und einzustellen versuchen. Ob dies technisch sauberere Verfahren für uns heute (beim eingeschränktem Bandmaterialangebot) aber vorteilhafte Folgen hat, muss am Ergebnis überprüft werden, weil die Maschine 'ab Werk' keine Vorrichtungen für ein Höhenequalizing im Aufsprechverstärker erhielt. Das legte ich oben ja nach längerer Überlegung im Gefolge unseres Telefonates dar.

Die Ursache aus meinem Blickwinkel: Die 6000 ist ein Amateurgerät, bei dem man versucht, den Kompromiss zwischen (intendiert) sehr hoher Qualität und einem gesundem Schnitt für den Anbieter anbieteroptimiert auszugestalten, ohne das Gesicht zu verlieren (vgl. die Affäre um das Auslauflager in den Kopträgern der A77-Familie, die definitiv dem Einschreiten des Willi zum Opfer fielen). Die ASC-Dame hat nun drei Bandgeschwindigkeiten, was zu einer Widerstandsbank beachtlicher Ausdehnung führen würde (vgl. die einige Jahre ältere A700). Diese Bank müsste man auch nach Geräteherstellung zeitaufwendig einstellen, ohne dass dabei wieder 'etwas passieren' darf. Das macht die Karre neuerlich teurer. Nachdem die Stückzahlen beim kleineren Hersteller ASC zur Zeit der 6000 erst noch in Löffinger Größenordnungen hätten gehoben werden müssen, wo man inzwischen aber nicht grundlos die A700 eingestellt hatte(!), sind diese Einstellmöglichkeiten bei der Konzeption der 6000 vielleicht noch erwogen, aber allemal nicht mehr gebaut worden.

Wollte/will man die 6000 'ausfahren', muss man sich zweckmäßigerweise an die Bandempfehlungen des Herstellers halten (so heute noch möglich) und eben auf eine bestimmte, meist genutzte Bandgeschwindigkeit nach Herstellerangabe 'soweit optimal' abgleichen (ASC will die Vormagnetisierung ja nur über die Linearisierung des Frequenzganges allein eingestellt wissen) und damit akzeptieren, was bei den beiden weiteren Bandgeschwindigkeiten halt noch qualitativ zu verwirklichen ist. Und dann ist eben Ruhe im Karton.
Ein immerhin möglicher, umbauender Eingriff in die Originalsubstanz des Schaltungskonzepts zur Realisierung eines vom Konstrukteur nicht vorgesehenen Höhenequalizings ginge mir hier so schwer von der Hand wie bei der wesentlich älteren Tante G36 aus Löffingen (also letzter Serie): Zu beiden Geräten gehört 'so etwas' eben nicht.

In beiden Fällen sollten wir die Abgleichempfehlungen der Hersteller befolgen, was hier ja unsere Arbeit sogar erleichtert, und schlicht mit der Vormagnetisierung auf linearen Frequenzgang einstellen. Ende.
Man kann dann ja beobachten, welches Delta-S-[tiefgestellt]10 (um bestimmte sekundär freundschaftlich verbundene Kreise zufrieden zu stellen, hüstel) bzw. welches "Delta-16-kHz" (kurz und in Forentexten schreibbar, aber Jargon) dabei 'herauskömmt'.

Daran lässt sich dann anhand der Datenblattgrafiken rückschließen, in etwa welche Größenordnung der Aussteuerbarkeit und des Klirrfaktors man mit diesem Gerät vorstoßen kann. Wir dürfen bei all diesem Zirkus nicht außer Acht lassen, dass die Datenblattangaben ja auf bestimmte Kopfkonstruktionen (Materialien und Spaltbreiten, Bauweisen und Induktivitäten) gemeinsam mit bestimmten Vormagnetisierungsfrequenzen bezogen sind, die bei den von uns eingestellten Geräten ja keineswegs identisch sein müssen. Man hat also, wenn man sich unmittelbar und ohne weitere Tests an das Kronessche 'Delta-Verfahren' hält, ein Graufeld nicht unerheblicher Ausdehnung vor sich, zu dem auch noch die Fertigungsstreuungen der Bänder herzhaft beitragen.

Ich will nun beileibe nicht für den Pfusch votieren, sondern ganz im Gegenteil darauf hinweisen, dass es genügend Einflussgrößen gibt, mit denen wir uns nur abfinden können, die man aber 'beobachten' sollte, wenn ein Ergebnis technisch-qualitativ planbar bleiben soll.

Hans-Joachim

Offline Jürgen Heiliger

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Re: Einmessen bei einer AS-600x ohne Messmittel oder was braucht man
« Antwort #5 am: Montag, 14.September.2009 | 19:28:35 Uhr »
Hi Hans-Joachim,

bitte nehme mir den Lapsus "Poti" nicht krumm, nahm ich diesen doch aus SM (korrekterweise: Technische Information) der ASC in abkürzender Weise (im Original: "Trimmpoti (-Kondensator)", was ja an sich die falsche Ausdrucksweise ist!).

Ich überlege halt als der elektrotechnische Laie mit mittlerer Erfahrung für Bandmaschinen nach einer Möglichkeit, den Einmessvorgang bei der ASC AS-6002/4 verbessern zu können gegenüber den Vorgaben ASCs im SM. Zudem ich auch diese Vorgehensweise nicht ganz nachvollziehen kann.
Kommt doch die AS-6002S, mit Schmetterlingsköpfen versehen (ab Werk!), sehr nahe den Ansprüchen Profis und wurde dort auch mitunter eingesetzt.

Du schreibst oben, diese Methode würde nur dann Sinn machen wenn man sich an die Bandempfehlungen ASCs nächstmöglichst bewegen würde. Doch eine solche Empfehlung habe ich im SM nicht gefunden, oder vielleicht übersehen. Ich kann also nur raten, was man im Sinne "bester" Qualität nehmen solle. Maxell XL-I, TDK LX dürften zwar nicht mehr neu zu bekommen sein (die Zeit bewies uns das), blieben also nur die entsprechenden verwandten Typen neuzeitlicher Produktion. Blieben also nur RMG LPR-35 LH Pro oder als Restposten Ampex 456 über.
Gruß
Jürgen

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