Autor Thema: Von anderer Art: Eine Fürtherin zum Spielen.  (Gelesen 15286 mal)

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Offline Matthias M

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Von anderer Art: Eine Fürtherin zum Spielen.
« am: Samstag, 30.Mai.2009 | 16:41:16 Uhr »
"Trotz der sich immer weiter verbreitenden Compact-Cassette wird das hochentwickelte Spulentonbandgerät nicht sterben.“ (Funkschau vom 11.3.1977)

Grundig, einstmals der größte Hersteller von Tonbandgeräten in Europa und im Deutschland der Sechziger Jahre auch Pionier darin, High Fidelity bezahlbar zu machen, strich zu Beginn der Siebziger Jahre den Anspruch an die bestmögliche Reproduktion von Klangereignissen weitgehend aus seinen Katalogen: Einfach war angesagt. Nach den Typen 46/47 entwickelten sich auch die Grundig-Bandgeräte nicht weiter. Dem durch die internationale Konkurrenz ausgelösten Preisdruck folgend, wurden sie stattdessen, mit wenigen Ausnahmen, immer anspruchsloser. Die deutsche Konkurrenz verhielt sich nicht wesentlich anders.
Einen Schritt in eine zumindest für Europa neue Richtung machte Philips: Es hielten drei Motoren Einzug. Die Reihe N45xx kam als Tapedeck. Und mit der N4450 brachte Philips als erster europäischer „Massenhersteller“ einen Großspuler auf den Markt.
Mitte der Siebziger Jahre zeigte Grundig an, das man bereit war seinen Kurs zu korrigieren: Auf der Funkausstellung im Spätsommer 1976 ließen sich  unter dem Logo „Super HiFi“ eine Reihe neuer Receiver und das Kassettendeck CN1000 (http://forum2.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=7736) bewundern. Jedoch bereits ein Jahr zuvor hatte Grundig auf der Messe die TS 1000 präsentiert.



Der neue Look
Bei ihrer Präsentation noch mit einer gebürsteter Metall-Einlage im unteren Viertel der Gehäusefront verziert (http://www.thevintageknob.org/THEVAULT1/TS1000/TS1000.html), zeigte sich die Serienversion von Grundigs Großer ab 1976 ganz in schwarz gehalten. Ihre Gestaltung folgte einer Fortentwicklung des europäischen Softline-Design, die hierzulande als Cockpit-, Studio- oder Profi-Look verkauft wurde. Die BASF hatte, ebenfalls auf der Funkausstellung im Jahre 1975, ihre Receiver in der neuen Erscheinungsform präsentiert. Auch die ITT-Tochter Graetz bot mit der Profi-Serie 306 bald etwas ähnliches an.
Vom Softline-Design blieben die abgerundeten Kanten und fließenden Übergänge. Die schwarze Gehäusefarbe mit der im harten Kontrast gehaltenen weißen Beschriftung und die vielen Schalter und Regler, sowie Anzeigen und Lampen, sollten Assoziationen zur Studio-Einrichtung wecken.

Insbesondere die Frontplatte der großen Grundig fällt durch eine hohe Detailvielfalt auf, die auch von anderen Bandmaschinen mit Kunststoff-Gehäuse nicht erreicht wird: Weder Uher noch ASC, geschweige denn Revox oder Tandberg leisteten sich diesen fast barocken Spritzguss-Luxus. Hier wird die später oft kritisierte Materialwahl von Grundig zum Vorteil, denn die  Komplexität der Formgebung der Frontplatte einer TS1000 wäre in Metall nicht bezahlbar herzustellen gewesen. Das man sich bei Grundig durch die Verwendung von schwarzen Granulat den Arbeitsgang der Gehäuse-Lackierung ersparen konnte, war sicher ein angenehmer Nebeneffekt.



Was beim Tragen müht, das fühlt sich wertig an. 22,5 Kilo bringt die Grundig auf die Waage. Kein Vergleich mit einer Philips N7300, die man mit einem Finger heben kann.
Die Basis der Maschine besteht aus einem Aluminium-Spritzguß Chassis, das an seiner Oberseite von einem riesengroßen, schwarz lackierten Kühlkörper abgeschlossen wird, aus dem der Tragegriff der Grundig wächst. Die U-förmige Holzzarge ist an dem Kühlkörper befestigt. Sie dient als solider Schutz der Innereien und Befestigungsbasis der Rückwand, vor allem aber quasi als Aufhängung des Chassis. Eine Plastikmaschine? Eher nicht.
Die FonoForum bescheinigt der TS1000insgesamt sehr gute Technische Daten, hervorragende Verarbeitung und Fertigung“ Auch das Finish der Grundig ist wertig: Selbst nach Jahrzehnten Benutzung zeigen keine der schwarzen Boliden, derer ich ansichtig geworden bin, auffällige Abnutzungserscheinungen oder Verfärbungen der Kunststoffteile. Selbst die silbernen Zier-Lackierungen fehlen nur selten. Wo das Material mancher Uher oder ASC an oft berührten Stellen grobporig geworden ist oder graue Verfärbungen entwickelt hat, gefallen sich die 900er oder 1000er Grundig bis heute in tiefem, einheitlichen Schwarz.



Auch im Schutz des Wichtigsten – dem Bandmaterial – geht Grundig einen eigenen Weg: Die Staubschutzhaube deckt nur das Laufwerk ab, so daß die Maschine bei geschlossener Haube vollständig bedient werden kann. Die TS1000 akzeptiert Spulen bis zu 27cm Durchmesser. Mit geschlossener Haube kann sie Spulendurchmesser bis maximal 22cm tragen. Die Haube schließt dann vollständig mit der Gehäusefront ab.
Wenn größere Spulen, als die der schon von der Saba TG 600SH und einigen britischen Maschinen bekannten, absonderliche Zwischengröße verwendet werden sollen, dann bleibt die Haube senkrecht offen stehen oder kann mit einem Handgriff zur Seite abgezogen werden. Der Vorbesitzer meiner TS1000 hat an der rechten Seite der Haube eine zusätzliche Stütze angebracht, so daß sie auch im 90°-Winkel stehen bleiben oder auch ganz geöffnet, jedoch nie versehentlich angestoßen zufallen kann. Praktisch.



Drei di!
Das Tapedeck ist auf dem Aluminium-Drugußchassis aufgebaut und mit drei Motoren ausgestattet: Ein vierphasiger kollektorloser Gleichstrommotor, der über Hall-Generatoren elektronisch kommutiert wird, treibt über einen Vierkant-Riemen eine etwa einen Kilo schwere, ausgewuchtete Schwungscheibe mit der Tonwelle an. Zwei tachogeregelte, kugelgelagerte Wechselstrom-Asynchron-Außenläufermotoren von Papst geben ihre Kraft direkt an die Spulenteller weiter.
Die Regelelemente der Laufwerkssteuerung verbergen sich in den beiden Umlenkrollen und den ausbalancierten Fühlhebeln, in die die Rollen montiert sind. Bei stehendem wie liegendem Gerät sollen sie die gleiche Regelcharakteristik gewährleisten.



Die Umspulgeschwindigkeit ist tachogeregelt. Als Tachogenerator dient die rechte Umlenkrolle: Eine Segmentscheibe an ihrer Unterseite wird mit Hilfe einer LED beleuchtet und von einem Fototransistor abgetastet, die Elektronik ermittelt die Umdrehungsgeschwindigkeit der Rolle. So entsteht über die gesamte Bandlänge eine gleichbleibende Umspulgeschwindigkeit.
Die TS1000 startet das Umspulen immer in ihrer Höchstgeschwindigkeit. Diese läßt sich jedoch mit Hilfe eines Knebelschalters (VarSpeed) an der Front der Maschine von Hand stufenlos reduzieren (ca. 3 bis 8 m/s). Mit der individuellen Einstellung der Geschwindigkeit kann nicht nur das Wickelverhalten (Wortschöpfung!) der Grundig dem verwendeten Bandmaterial angepaßt, es können vor allem bestimmte Bandstellen gezielt angesteuert werden, ohne daß die Gefahr besteht, aus hoher Geschwindigkeit über das Ziel hinaus zu schießen. In Verbindung mit der Cueing-Funktion (Mithören beim Umspulen) eine ausgesprochen sinnreiche Einrichtung.

Der Tachogenerator dient auch als Bandlaufsensor. Er signalisiert der Steuerelektronik den Stillstand des Bandes nach einer Funktion und ermöglicht damit den Übergang vom Stillstand zu einer anderen Funktion ohne störende Zeitkonstante.
Ich habe inzwischen sowohl Maschinen mit nur einer, aber auch mit Stroboskop-Zeichung unter beiden Umlenkrollen gesehen.

Die Umdrehungsgeschwindigkeit des Capstan wird unabhängig von der Netzfrequenz gebildet und der Gleichlauf durch die Masse der Schwungscheibe stabilisiert.
Eine proportional-differenzierend arbeitende Regelelektronik, die beide Wickelmotoren individuell mit einem weitgehend sinusförmigem Strom ansteuert, hält den Bandzug konstant. Die Regelung wird durch an den Fühlhebeln sitzende Lichtschranken bestimmt: Je mehr Licht der LE- oder IR-Dioden auf die Sensoren fällt, desto langsamer werden die Motoren. Einerseits wird die Stromzufuhr gesteigert, umso weiter die Fühlhebel nach unten gleiten und die Sensoren verdecken. Wenn sich die Fühlhebel ganz in Ruheposition befinden, gelangt kein Licht mehr auf das photoelektrische Element, das Band scheint schlaff zu hängen, die Umdrehungsgeschwindigkeit wird angezogen, was nach dem Auslaufen des Bandes aus der Spule regelmäßig zum Hochfahren der Motoren führt. Um zu vermeiden, daß das Band gänzlich aus der Trägerrolle gespult wird, verfügt die Grundig über eine automatische Abschaltung, die mit Hilfe von Schaltfolie erreicht werden soll. Die Versorgungsspannung der Wickelmotore wird abgeregelt, wenn die Fühlhebel durch das gespannte Band nach oben geschoben worden sind und die Sensoren nicht mehr verdecken: Die Motoren werden langsamer.
Im Umspulbetrieb sind die LE- bzw. IR-Dioden des aktiven Wickelmotors abgeschaltet, damit das straff gespannte Band und die damit hochgezogenen Fühlhebel nicht die Stromzufuhr des ziehenden Motors abregeln.

Die TS1000 bildet mit 4,76, 9,5 und 19 cm/s die unter den für den Heimanwender konzipierten Geräten verbreitetsten Arbeitsgeschwindigkeiten. Sie behält so die Kompatibilität zu vorhandenen Bändern, die mit der langsamen Geschwindigkeit aufgenommen worden sind, erlaubt extrem lange Spielzeiten und ermöglicht gleichzeitig höchste Klangqualität. Dabei erreicht die Grundig als eines der weniger Bandgeräte nach Meinung der Tester der HiFi-Stereophonie auch bei 4,76 cm/s HiFi-Qualität und eine Gleichlaufleistung (noch 'ne Wortschöpfung!), die anderen Geräten bei 19 cm/s gut zu Gesicht stünde.



Um diese Kompatibilität noch zu erhöhen, läßt sich die Grundig gehörmäßig mit anderen Bandmaschinen synchronisieren, selbst wenn diese bislang die standardisierte Arbeitsgeschwindigkeit eher frei interpretiert haben sollten: Der Regler VarSpeed erlaubt in Stellung „VarSpeed“ des Geschwindigkeits-Wahlschalters nicht nur eine Tonhöhenkorrektur (Pitch) auf der Basis einer vorgewählten Arbeitsgeschwindigkeit, wie sie bei Plattenspielern oder besseren Kassettenrecordern (z.B. ASC AS 3000 http://mb.abovenet.de/forum2/showtopic.php?threadid=6936) möglich ist: Die Arbeitsgeschwindigkeit der Grundig kann in dieser Schalterstellung stufenlos zwischen allen erreichbaren Drehzahlen, von 4 bis 22 cm/s, variiert werden.

Drück mich – oder nicht
„Wir können das“ hätte ich als Begründung dem Max in den Mund gelegt, wäre ich dabei gewesen, als Grundig Anfang der Siebziger Jahre eine Reihe von Komponenten mit Sensortasten-Bedienung vorgestellt hatte.
Eine Sensortaste ist „eine elektronische Schaltvorrichtung ohne mechanisch bewegte Teile, die durch Fingerberührung betätigt wird. Ausgelöst wird der Schaltvorgang z.B. durch eine Kapazitätsänderung beim Berühren oder durch den zusätzlichen Hautwiderstand, der den Übergangswiderstand einer dünnen Schicht verändert“ (wissen.de).
Neben dem vermeintlichen Vorteil, auf bewegte und somit verschleißanfällige aber auch teurere Bauteile und deren Zusammenbau verzichten zu können, mag der Grund für die Einführung der Berührungssensoren in der Unterhaltungsindustrie vor allem ein Trend gewesen sein: Mal was neues, des Neuen wegen. Und Grundig konnte das und zeigte es an diversen Geräten. Doch während zum Beispiel Braun noch Ende der Siebziger Jahre Sensortasten in eine neue Plattenspieler-Generation einbaute (PDS 550), erkannt man bei Grundig schnell, daß der Sensor auch Nachteile barg. Auf dem Wege der Modellpflege verschwand diese Bedienungsform daher schnell wieder aus den Grundig Pre- und Receivern (z.B. X55a für X55 und R48 für R45). Die neuen Bandgeräte erhielten elektronische Tipptasten (TS 925/945). Doch die TS 1000 behielt ihre Sensor-Steuerung.



Was an dem Gerät nicht gefällt sind die Sensortasten. Will man z.B. eine Aufnahme machen, dann möchte man nicht auf eine Taste schauen müssen, sondern man hat häufig auf andere Dinge zu achten. Um den Sensor zu finden, muß man aber hinschauen. Den Finger kann man auch nicht vorher drauf legen, weil sonst das Gerät sofort anläuft.“ Dieses Argument aus einer Vorstellung in der Funkschau scheint mir eine der wenigen sinnvoll vorgetragenen Kritiken an der Bedienungsform der Laufwerkssteuerung der TS 1000 zu sein. Ansonsten wurde viel in der Form „Mag ich nicht“ geschwafelt. Tatsache ist, die Finger auf die Tastatur legen, um im Bedarfsfall schnell zudrücken zu können, ist dem Drück-Assistenten der Grundig nicht möglich. Die Tasten blind fühlend zu suchen, ebenfalls nicht. Die TS 1000 schaltet manchmal schon, wenn sich der Finger auch nur in der Nähe der Tastatur befindet. Oder eben – heute, leider – auch nicht. Aber das geht vielen gebrauchten Bandmaschinen mit manchen Funktionen heute so. Meine TS1000 reagiert in einwandfreier Weise auf die Anforderungen an die Sensorsteuerungen.
Abgesehen von ihrer Eigenart ist die elektronische Laufwerks-Bedienung der Grundig luxuriös: Von allen Funktionen kann in jede andere umgeschaltet werden, ohne das zwischendurch „Stop“ gewählt werden müsste. Die Ausführung der gewählten Funktion wird mit Hilfe von LEDs sofort gemeldet. Die Pausen-Funktion ist doppelt ausgeführt: Einmal als Sensortaste und einmal mechanisch mit Hilfe der Cueing-Wippe.

Die AUDIO warf der TS 1000 vor, sie lasse sich „recht umständlich bedienen“ und rechtfertigte den Vorwurf damit, beim Umschalten zwischen Vor- und Hinterband müsse „ein Schalter gedreht werden; eine Taste oder ein Kipphebel wären schneller zu betätigen.“ Statistisch läßt sich feststellen, das andere Hersteller deutlich mehr in der Audio inseriert hatten, als Grundig. Allerdings besaßen auch die schmalen Kassettenrecorder der CN-Reihe zum Teil diese Schalter: Zumindest nicht eben Image-fördernd. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß die Knebelschalter der Grundig TS1000 (genauso am CN1000 oder an den TS 925/945) sich bedienen lassen. Schnell. Eindeutig. Sicher.
Andere Berichte als der der AUDIO fanden übrigens keine funktionale Kritik an den Drehschaltern. Kritik hingegen gab es an der Qualität der Flachbahnregler, die nicht studiomäßig sanft und gleichmäßig laufen. Stimmt. Die FonoForum befand, sie „haken leicht“, Verhakt sind sie mir noch nie.



Neben den Berührungssensoren läßt sich eine TS1000 auch über die kabelgebundene Fernbedienung Typ 439 in allen Laufwerksfunktionen fernsteuern. Der aus früheren Zeiten bekannte Fußschalter Typ 225 funktioniert ebenso an der TS1000. Da die Grundig zwei Fernbedienungsbuchsen besitzt, können gleichzeitig zwei Geräte für die Fernsteuerung angeschlossen werden, ohne daß die Maschine zum Umstöpseln hervorgeholt werden müsste.

Köpfchen wechsle Dich
Das Gros der Großspuler stellt ihrem Einfädler eine fest definierte Anzahl und Art von Tonköpfen zur Verfügung. Mindestens zwei, selten mehr als vier. In der Regel für den Halb- oder Viertelspurbetrieb. Wer eine solche Maschine putzen darf und dazu inkompatible Bänder gehortet hat, der putzt bald eine zweite Maschine.
Wer eine Grundig als Mitbewohner genießt, der geht im Falle der Entscheidung für ein alternatives Format in den Laden, legt 300 (Halbspur Typ 435 oder Viertelspur Typ 436) oder 380 Mark (Viertelspur mit Wiedergabe-Reverse Typ 437) auf den Tisch, und nimmt einen alternativen, aufsteckbaren Kopfträger mit nach Hause. Zumindest hätte man das früher so gekonnt, als es Mark und Kopfträger noch neu gab.



Die Kopfträger aller TS1000 sind untereinander austauschbar. Zum Betrieb des Reverse-Kopfträgers ist zusätzlich eine kleine Platine (39300-670) von Nöten, die bei abgenommener Rückwand anstelle einer Steckerbrücke auf die „Motorsteuerungsplatte“ gesteckt wird. Sie kann auch im Gerät verbleiben, wenn die TS1000 mit einem anderen, als dem Reverse-Kopfträger, zum Einsatz kommen soll.



Möglich wird der Kopfträgerwechsel ohne Neuabgleich der Maschine durch die in den Kopfträger integrierten Einstell-Trimmer für den Aufsprechpegel und die Vormagnetisierung; diese sind übrigens doppelt vorhanden, so daß für die langsame Bandgeschwindigkeit von 4,75 cm/s eine individuelle Einstellung vorgenommen werden kann.



Im Kopfträger sind ein Doppelspalt Ferrit-Löschkopf, Widerlager für die Bandberuhigungsrolle, Aufnahmekopf und Wiedergabekopf aus nicht-magnetischem Anoxinstahl, hinter der Tonwelle der Dia-Impuls- oder der Reverse-Wiedergabekopf, sowie insgesamt sechs Bandführungen hängend montiert. Übrigens obacht bei der Bauteil-Identifikation: Zumindest in der Service-Anleitung 3/77 ist die Kopfträger Skizze falsch beschriftet.



Die Vierspurköpfe sind mit einer Bandkantenverstärkung versehen, die dem bei Vierspur-Köpfen typischen ungleichmäßigen Abschliff vorbeugen sollen. Der neu entwickelte Wiedergabekopf ist sehr aufwendig, doppelschalig magnetisch geschirmt und schickt sein Signal zur Entzerrung in ein RC-Netzwerk in der Gegenkopplung des Wiedergabeverstärkers. Bemerkenswert ist der Zweispur-Löschkopf: Auch wenn sich die Spalte nicht überlappen, so sind die Systeme doch schmetterlingsförmig ausgebildet, so daß in der Bandmitte ein ungelöschter „Rasen“ von nur noch 0,2mm Breite verbleiben soll, anstatt der üblichen 1,3mm Rasenbreite, bei der zumindest Vierspur-Bänder oft nicht ausreichend gelöscht werden können. Der gleiche Löschkopf kommt übrigens in der Grundig TS-925 zum Einsatz.
Da beim Kopfträgerwechsel die Vormagnetisierungsfrequenz von 105 kHz und die Spannung von 44 Volt konstant bleiben muß, kommt ein Übertrager zum Einsatz, dessen Induktivität 1/10 der Löschkopf-Induktivität beträgt und durch Schleifen des Schalenkernes eng toleriert ist. Das Zusammenspiel des Übertragers mit einem Kondensator bestimmt dann auch die Frequenz des HF-Oszillators, der übrigens über eine Verzögerungsschaltung angesteuert wird, um ein schnelles Aufschwingen und damit Knackgeräusche zu vermeiden.

Anlass zur Kritik bei einem Testgerät fand die HiFi-Stereophonie an der absoluten Justage des Wiedergabekopfes, sowie ebenso an der relativen Einstellung der Tonköpfe zueinander, zudem an einer nicht hinreichend ausgerichteten Bandberuhigungsrolle in einem Kopfträger. Trotzdem lägen die erreichten „Werte doch deutlich über denen der Konkurrenz“. Mit anderen Worten: Stört nicht soviel, wie man nach dem Lesen des Testberichtes vermuten sollte, bzw. die anderen machen es in der Summe – wie auch immer – noch schlechter. Trotzdem mehr als ärgerlich.
Leider hatte Grundig in den Siebziger Jahren die Endkontrolle in der Produktion reduziert, um Kosten zu sparen, was solche Ausreißer möglich gemacht haben dürfte; auch in Kassettenrecorder-Tests der HiFi-Stereophonie fiel eine bedenkliche Serienstreuung bei Grundig auf (Bsp. CN 730). Also erst schauen, dann kaufen.
Oder nachstellen! Der selbe Testbericht warnt jedoch ausdrücklich davor, die Köpfe eines Wechsel-Kopfträgers selber einstellen zu wollen: „Die Nachjustage des Wiedergabekopfes mit dem beiliegenden Grundig-Justierband laut Gebrauchsanleitung führt zu katastrophalen (!) Ergebnissen.“ Die ebenfalls aufgestellte Behauptung, die Justage sei in der Service-Anleitung nicht beschrieben, ist jedoch zumindest nicht vollständig: Zugegebenermaßen gibt es unterschiedliche Ausgaben. In der Version 3/77 sind „Montage und Justieren der Tonköpfe“ beschrieben. Vielleicht eine Konsequenz der Kritik?

Auch die besten Köpfe sind irgendwann einmal am Ende. Wer im Fernseh-Laden um die Ecke noch alte Tütchen mit aufgedruckter Typennummer findet, hat's dennoch nicht einfach. Verwirrung hat Methode:
Der Aufnahmekopf in 4-Spur-Ausführung wurde zunächst mit der Sachnummer 39512-650.01 angegeben, ab der Ausgabe 1979 des grünen Büchleins „Grundig Service“ mit der Sachnummer 31022-359.99 (HF 105 kHz, HF-Arbeitspunkt 11,9V an rot, 13,1V an weiß, 14,3V an schwarz, 15,5V an gelb und 16,6V an grün).
Der Wiedergabekopf der 4-Spur-Ausführung wurde zunächst mit der Sachnummer 39512-750.01 bezeichnet, ab 1979 dann mit 31022-363.00
Ab dem Jahrgang 1980 werden Aufnahme- und Wiedergabekopf nur noch im Set unter der Sachnummer 72004-930.00 angeboten
Der Autoreverse-Kopf der 4-Spur-Ausführung wurde zunächst unter der Sachnummer 39512-750.02, ab 1979 unter  31022.372.00 verkauft.
Ab dem Jahrgang 1980 ist der Reverse-Kopf nur noch zusammen mit dem Aufnahme- und Wiedergabekopf im Set zu bekommen: 72004-931.00
Der Löschkopf der 4-Spur-Ausführung ist zunächst unter der Sachnummer 07489-122.00 zu kriegen, ab 1979 unter 97489-122.00 (HF-Strom 45 mA). Im Jahre 1980 wechselt die Sachnummer zurück: 07489-122.00. Der gleiche Kopf kommt auch in der TK/TS600 und der TS945 zum Einsatz.
Der Aufnahmekopf in 2-Spur-Ausführung wird zunächst mit der Sachnummer 39512-670.01 bezeichnet, ab 1979 dann mit 31022-375.00 (HF 105 kHz, HF Arbeitspunkt 16,8V an rot, 19,3V an weiß, 21,8V an schwarz, 24,3V an gelb und 26,9V an grün)
Der Wiedergabekopf in 2-Spur-Ausführung kann unter der Sachnummer 39512-770.01, ab 1979 unter 31022-376.00 bezogen werden.
Ab 1980 sind Aufnahme- und Wiedergabekopf nur noch im Set erhältlich: 72004-912.00
Der Löschkopf der 2-Spur-Ausführung hat die Sachnummer 39502-570.00 (HF-Spannung 45 mA) und passt ebenfalls in die TS925.
Der Pilottonkopf ist in 2- und 4-Spur Version identisch. Sachnummer 39512-379.00

Sim Sala Bim
Ob die Entwickler der meisten asiatischen Bandmaschinen jemals einen Fernseher von innen gesehen hatten – ich unterstelle mal, in früheren Zeiten wurden selbst japanische Fernsehgeräte noch repariert – kann ich nicht beurteilen. Wer die TS 1000 öffnet, der ahnt nicht nur, dass die Konstrukteure bei Grundig sich in ihrer Ausbildung rechtzeitig mit der Thematik „Service“ hatten auseinander setzen müssen.



Das Gehäuse der TS1000 besteht aus einer Holzzarge, die vorn und hinten mit den Kunststoff-Deckeln Frontplatte und Rückwand abgeschlossen ist. Zwecks optimaler Belüftung ist die Rückwand mit zahllosen Lüftungsschlitzen durchbrochen, während die Frontplatte durch einen zwei Millimeter starken Spalt vom Holzkporpus abgehoben bleibt. Durchzug gegen Wärmestau.
Das gesamte Innere der Grundig hängt an dem massiven Alu-Druckguß-Chassis, das über seinen Kühlkörper mit der Zarge verbunden ist. Unter dem Chassis ist eine Metallplatte angeschraubt, unter der das Gros der Elektronik der Grundig hängt. Zur Stabilisierung und besseren Abschirmung ist dieser Bereich durch aufrecht stehende, stabile Bleche in mehrere Fächer unterteilt, die Laufwerkssteuerung, Aufnahme- und Wiedergabeverstärker, optionale Dolby-Schaltkreise, Relais- und Anschluß-Platinen enthalten.



Um die Grundig vollständig zu öffnen sind sechs Schrauben der Frontplatte zu lösen, dazu die Umlenkrollen der Bandführung etwas in Richtung Geräteoberseite anzuheben, und die Frontplatte läßt sich samt sämtlicher Schieberegler abnehmen, ohne daß einer der Knebelschalter, eine Andruckrolle, oder ein anderes Bauteil entfernt werden müsste. Ebenfalls sechs Schrauben halten die Rückwand. Auch hier läßt sich die Haube problemlos abnehmen und gibt den Blick auf ein aufgeräumtes Innere frei.



Nahezu die gesamte Elektronik der Grundig ist auf Steckkarten montiert, die sich im unteren Drittel des Gehäuses befinden. Um dem Service-Techniker die Fehlersuche einfacher zu machen, liefert jede TS1000 eine Verlängerungskarte mit, mit deren Hilfe das verdächtige Bauteil im Betrieb, doch außerhalb des Gehäuses, beobachtet und durchgemessen werden kann. Bei welcher anderen Bandmaschine ist diese Ausstattung gleich auch noch serienmäßig mitgeliefert?



Optional läßt sich die Grundig um zwei Dolby-Platinen nachrüsten. Ebenfalls per Steckkarte. Optional läßt sich die Grundig um eine Autoreverse-Steuerung nachrüsten. Ebenfalls per Steckkarte.
Die wenigen Platinen, die nicht ausschließlich gesteckt sind, lassen sich recht einfach und schnell entnehmen. Ihre elektrischen Verbindungen sind per Kabel – gesteckt. Wer schon einmal eine große Teac mit den einzeln verlöteten Litzen ihrer umfangreichen Kabelbäume repariert hat http://mb.abovenet.de/forum2/showtopic.php?threadid=6633&highlight=origami, der träumt vom Service an der Grundig!

Wer schon einmal eine ASC tranchiert hat, der weiß, er braucht Spezialwerkzeug und Klebeband zum Öffnen. Mit Ersterem kann man durch einen Spalt hindurch eine Klemme im Innern der unteren Gehäuseschale entriegeln. Mit Letzterem werden nach Anleitung die Plastikkappen von Umlenkrollen (AS6000) und Verschraubung der Bandteller gelöst.



Die Umlenkrollen der Grundig sind gesteckt. Um die Grundig ihrer Umspul-Motoren zu berauben, schraubt man die zentrale Schraube in der Achse heraus, entnimmt den Achsnippel und hebt dann den Bandteller ab. Dabei bitte nicht die beiden Unterlegscheiben verlieren! Dann liegen die drei Schrauben der Motorhalterung frei. Sind die gelöst, läßt sich der Papst-Außenläufer nach hinten abziehen. Ein kompletter Motorenwechsel an der TS1000 bedarf somit, beginnend mit dem „auf die Arbeitsplatte stellen“ bis zum „fertig“ etwa fünf Minuten. Wenn der Techniker nicht blind ist, über Hände mit ausreichend Fingern und optionalem Schraubenzieher verfügt und nicht all zu lange in seinem Lager nach dem Ersatz-Motor suchen muss.



Der Riemenwechsel an Capstan und Zählwerk gestaltet sich ähnlich entspannt: Der Zählwerksriemen (07881-789.00) ist bei geöffneter Maschine frei zugänglich. Um den Vierkantriemen (07881-787.00) des Capstan-Antriebes zu wechseln wird lediglich das untere (bzw. hintere) Tonwellenlager, komplett mit Capstanmotor und Platine abgeschraubt (vier Schrauben) und der Riemen (ausgelegt ca. 465x2x2mm) ist zugänglich. Vor dem Wiedereinbau des Tonwellen-Motorbausteines wird der Riemen zuerst auf die kleinere Riemenscheibe eingelegt und auf die zwei Zapfen des Kunststoff-Spurlagers gespannt. Nach dem Einbau des kompletten Tonwellen-Bausteines wird der Riemen von den Zapfen auf die Lauffläche der Schwungmasse umgesetzt.

Viele Service-Arbeiten an der Grundig könnten von einem Anlernling ausgeführt werden. Wenn da nicht das Problem mit dem Lesen wäre, auf das uns ja schon die Pisa-Studie hinlänglich hingewiesen hat. Zahllose abgerissene Schieberegler von Grundig TS 1000 beweisen: Entweder war das Gros der Techniker so grundsätzlich von Service-feindlicher Importware verdorben, dass sie sich nicht vorstellen mochten, man könne solch Regler auch Service-freundlich konstruieren, und/oder nicht in der Lage die ausführliche Zerlege-Anleitung zu lesen, die zugegebenermaßen nicht jede Service-Anleitung der TS 1000 ziert. Es gibt unterschiedliche Ausgaben. Die Folge: Der Gewohnheit folgend wurden die Schieberegler oftmals – wahrscheinlich unter lautem Fluchen, weil so anstrengend – abgerissen, dabei zerstört, und erst dann die Frontplatte abgenommen. Intelligenterweise zerstörte der freundliche Service-Techniker, trotz der Anstrengung und der Erkenntnis bei jedem einzelnen Regler: Der ist jetzt kaputt, erst konsequent alle Regler, bevor er versuchte zu ergründen, ob es da einen Trick geben könnte, die Front abzunehmen, ohne die Regler zu zerstören. Erst dann folgte wahrscheinlich der erste Aha-Anflug, ein ungläubiger Blick in die Service-Anleitung, ein erneutes, noch ausführlicheres Fluchen, und dann der zeitaufwendige Versuch, die Schlamperei mit Klebstoff gegenüber dem zahlenden Kunden zu vertuschen. Das selbst zu Zeiten, als es die Regler noch neu als Ersatzteil zu kaufen gab. Ein Hoch auf den zertifizierten Meisterbetrieb!

Übrigens wird gerne und zunehmend verbreitet, die Regler der Grundig würden häufig abbrechen. Das tun sie meines Wissens nach nicht im normalen Betrieb. Außer, man reißt sie mit Gewalt ab. Oder aber, sie waren schon einmal abgerissen und schlecht geklebt.

Die Leichtigkeit ihres Entmantelns führt übrigens bei mir dazu, daß ich ansichtig der wenigen Schrauben in der TS1000, die einige verbleibende Platinen der Capstansteuerung und des Netzteils halten, geradezu depressiv verharre und nach leichteren Methoden ihrer Entfernung suche, als ein paar Schrauben zu lösen. Die anderen konnte man doch auch einfach abstöpseln!
So sind im hinteren Innenraum tatsächlich vier Platinen sichtbar, die per Schraubenzieher gelöst werden wollen. Eine davon – sie verdeckt den linken Außenläufer – ist von oben, durch den Kühlkörper, befestigt. Tatsächlich war ich zeitweise versucht, dies als inkonsequent zu betrachten, bis ich wieder an meine frühere Teac dachte und die Relation wiederfand. Es bleibt dabei: Die Grundig ist vollkommen problemlos zu zerlegen.

Achtung Aufnahme
Die Grundig erhält Kontakt zu einer Konserven-Quelle durch zwei versenkt eingebaute DIN-Buchsen an ihrer Rückseite: quasi ihre Dosenöffner. Die FonoForum berichtet, „Ein- und Ausgänge sind in Empfindlichkeit und Impedanz ausgezeichnet ausgelegt.
Die Radio-Buchse dient gleichzeitig der Aufnahme und Wiedergabe und ist auch elektrisch nach DIN-Norm konzipiert. Zwei FET-Transistoren verhindern die Verkopplung von Ein- und Ausgangszweig über den angeschlossenen Verstärker. Um der Forderung der DIN 45 511, die Kontakte 3 und 5 der Radiobuchse hätten, außer in Wiedergabe, >= 500 kOhm gegen Kontakt 2 aufzuweisen, zu genügen, wurde der Anschluß mit in lichtdichten Gehäusen untergebrachten Fotowiderständen ausgeführt, die die Forderung sogar bei ausgeschaltetem Gerät gewährleisten sollen.
Der Anschluß ist zudem mit einer Spannungs-Stromgegenkopplung ausgestattet. Sie soll das Problem kompensieren, daß die Kombination der Kabelkapazität von 250 pF und dem nach DIN 45 511 zulässigen Eingangswiderstand von 47 kOhm ohne sie eine nicht mehr ausreichende obere Grenzfrequenz von nur etwa 13 kHz zulassen würde. Die Verstärkung des Signals wird bei dieser Auslegung durch den Generatorwiderstand der Programmquelle bestimmt. Ein Nebeneffekt sind die sehr guten Geräuschspannungsabstände. Die HiFi-Stereophonie bescheinigt der Grundig „ausgezeichnete“ Dynamikwerte, die „sich auch aus der sehr günstigen rauscharmen Ausführung des DIN-Eingangs“ ergeben würden. „Auch die anderen Eigenschaften des DIN-Eingangs sind gut.


(von oben nach unten: Dia – Radio – Universal - Monitor-Buchse)

Nicht ganz so gut mochten die Tester den als „Universal“ bezeichneten Hochpegel-Eingang mit DIN-Buchse bewerten, der um „gute 10 dB rauschärmer sein“ könne, weshalb die Grundig „an manche Cinch-Verstärker nicht optimal anschließbar“ sei. Diese Kritik bezieht sich allerdings auf die frühe Ausführung der TS1000. In der Serie hat es Veränderungen gegeben.

Ein Quellwahl-Schalter erlaubt die Wahl zwischen den Eingängen Mikrofon, Radio / Universal, sowie der Stellung Mix, in der die Eingänge stufenlos gemischt werden können. Der Spurwahlschalter erlaubt das Umschalten zwischen Stereo- und Mono-Betrieb, zudem die gezielte Ansteuerung einer der beiden Spuren bei der Aufnahme (und später auch bei der Wiedergabe).



Die beiden großen, nebeneinander gelegenen und immer beleuchteten Aussteuerungsinstrumente zeigen bei der Aufnahme den Vorband-Pegel in Spitzenwert-Charakteristik, und per LED, für jeden Kanal getrennt, den Aufnahme-Betrieb an. Die AUDIO hält die Aussteuerungs-Anzeige für „gut gelöst: Da sich die beiden Zeiger wie bei der Uher-Maschine gegenüberstehen, können auf einen Blick beide Kanäle überwacht werden.“ Die FonoForum macht unter anderem an den „sehr gut ablesbaren Spitzenwert-Instrumenten“ den professionellen Charakter der Grundig fest.
Der angezeigte Pegel wird, wie in der professionellen Studiotechnik üblich,  vor der Aufnahmeentzerrung abgegriffen und berücksichtigt also nicht die Höhen- und Tiefenanhebung. Das Risko der Übersteuerung, insbesondere in den Höhen, soll durch eine kurze Ansprechzeit (<= 5 ms) und eine relativ lange Abklingzeit (>= 1,5 s) kompensiert werden. Zudem sind die Anhebungen gering gehalten um die Impulstreue (Rechteckverhalten) nicht zu belasten, was nach Messungen des Autors in der Funkschau von 1977 gut gelungen sei. Mitten und Tiefen werden in festen Verhältnissen verstärkt, der „Saugkreis“ für die Höhen ist abhängig von der Bandgeschwindigkeit. Der Umpolfehler der Anzeige ist laut HiFi-Stereophonie „gering“.
Da die Ausgangsspannung des Mischverstärkers von 675 mV nicht ausreicht, die beiden Drehspul-Instrumente mit einem Anzeigenbereich von 20 dB anzutreiben, kommt eine Verstärkerschaltung zum Einsatz: Die „Spannungsverdoppelung wird deshalb angewendet, weil in der Musik stark unsymmetrische Signalamplituden vorkommen, was bei Einweggleichrichtung  zu Fehlaussteuerung führen kann“ (Funkschau). Die Instrumente schwingen jedoch über, was, wie die HiFi-Stereophonie bemerkt, „bis zu 3,2 dB betragen kann. (…) Es empfiehlt sich daher, bei hochtonreicher Musik nur bis -11 dB bei 4,8 cm/s, bis -6 dB bei 9,5 cm/s bzw. bis -1 dB bei 19cm/s auszusteuern.“ Die FonoForum stellt, die „ausgezeichnete Aussteuerbarkeit“ fest, die für 19 cm/s erst bei 12 kHz um 1 dB abnähme.



Für die Aussteuerung glaubt der TS1000-Besitzer zunächst, eine ganze Batterie an Flachbahnregler zur Auswahl zu haben. Tatsächlich lassen sich die Eingänge Radio/Universal nur mit einem gemeinsamen Summenregler aussteuern. Eine Kanal-Balance läßt sich von außen nicht einstellen. Die Audio wirft dem Stereo-Potentiometer zudem einen hakeligen Lauf vor, der das Aussteuern zur Glücksache mache. Tatsächlich ist es nicht einfach, während einer Aufnahme gleichmäßig auf- oder auszublenden. Das jedoch trifft auf andere Bandgeräte prominenteren Namens gleichsam zu, ist schon ein generelles Problem der Ergonomie von Schiebereglern bei stehendem Betrieb. Ob sich ein Drehregler über einen größeren Pegelumfang bei einem stehenden Gerät wirklich gleichmäßiger drehen ließe, möchte ich bezweifeln. Nicht zufällig führte Grundig bei seinen jüngeren Recordern ein automatisches Fading VAT („Variable Ausblend Technik“) ein.
Zudem ist die Auslegung der Regler ungünstig. Zwar scheinen die Schiebepotentiometer über einen, absolut gesehen, recht langen Regelweg zu verfügen, doch ist ihre Auflösung leider zu gering, weil ihre Länge nicht effektiv ausgenutzt wird. Das führt dazu, daß ein Versuch einer Fehlerkorrektur leicht in einer alternativen Fehl-Aussteuerung endet. Besser, aber nicht perfekt, geht das bei liegendem Gerät.
Im Normalbetrieb – Aufnehmen tue ich eigentlich nur noch vom Radio - stellt man die Regler sowieso auf einen festen Wert ein und läßt sie während der Aufnahme unbewegt, benutzt vielleicht den Limiter, um das Übersteuerungsrisiko bei unerwarteten Lautstärkesprüngen zu begrenzen.
Zudem besitzt die Grundig eine ausgefeilte Aussteuerungsautomatik mit getrennten Programmen mit unterschiedlichen Zeitkonstanten für Sprache und Musik, wie sie auch schon vom CN1000 bekannt ist: Die Automatik verfügt über einen eigenen Verstärker, so daß beliebig und knackfrei zwischen manueller und automatischer Aussteuerung umgeschaltet werden kann. Das Signal durchläuft einen mehrstufigen Aufsprechverstärker, bevor es in den Sprechstromkreis gelangt. Für den manuellen und den automatischen Betrieb sind die Regelstufen getrennt ausgelegt. Hinter jener für die Automatik liegt der Bezugpunkt für die automatische Pegelreglung. Das hier entnommene Signal wird gleichgerichtet und einer Schwellstufe zugeführt, die entsprechend dem Wert für Vollaussteuerung voreingestellt ist. Überschreitet das Aufnahmesignal die definierte Schwelle, so steuert die Schwellstufe einen Speicher an und regelt über das Stellglied den Verstärkungsgrad des Aufnahmeverstärkers auf den entsprechenden Sollwert herab. Damit nun nicht jedes Signalbestandteil, das die Schwelle übersteigt, den Speicher ansteuert und damit den Verstärkungsgrad beeinflußt , was zu einem dauernden Nachregeln führen würde, gibt es eine zweite Regelleitung, die als Zeittorschaltung ausgelegt ist, die aperiodische Störsignale von den periodischen Nutzsignalen unterscheiden kann und den von einem Störimpuls verursachten Ladungszufluß durch eine gezielte Entladung im Speicher kompensiert. Impulse aus Netzstörungen, Schallplatten-Knacksen oder Fehlhaltung eines Mikrofons sollen auf diese Weise nicht zur Nachregelung und damit Reduzierung der Dynamik einer Aufnahme führen.
Trotzdem stellt eine Automatik natürlich den Pegel nach, neigt zum Beispiel dazu Musik mit vielen leisen Passagen grundsätzlich zu hoch auszusteuern und später bei einem Lautstärkeanstieg mäßigend abzupegeln, was auf Kosten der Dynamik einer Aufnahme geht.

Übrigens kann die Grundig in nahezu jeder Betriebslage, außer bei Wiedergabe, Vorband ausgesteuert werden. Hat man also mal wieder zu spät daran gedacht, daß gleich eine interessante Radiosendung beginnt, und beschäftigt die TS1000 mit dem Rangieren, läßt sie sich doch zumindest für die Aufnahme vorbereiten, zum Beispiel mit einem Pegelsignal des Tuners korrekt aussteuern. Dazu wird zusätzlich zur aktuellen Laufwerksfunktion (Stop oder Umspulen) die Aufnahme-Taste gedrückt und die Aussteuerungsinstrumente werden aktiv.
Das Vorband-Signal wird dann über den Kopfhörer (Würfelstecker) und die Monitor-Buchse ausgegeben. Der Lautstärke-Pegel des Kopfhörers läßt sich mit Hilfe zweier Schiebepotentiometer kanalgetrennt einstellen. Ein Knebelschalter „Contour-Linear“ schaltet bei Bedarf auf eine phyisiologische Lautstärkeanpassung für den Kopfhörerbetrieb um.
Während der laufenden Aufnahme kann mit Hilfe eines anderen Knebelschalters zwischen dem Vor- und Hinterband-Signal umgeschaltet werden, das wiederum im Aufnahmebetrieb über den Kopfhörer und die Monitor-Buchse ausgegeben wird. Nicht über die Radiobuchse, solange diese das Eingangssignal leitet. Die Aussteuerungsinstrumente zeigen bei Aufnahme immer den Vorbandpegel an, bei Wiedergabe (nicht bei Hinterbandkontrolle!) den Bandpegel.

Selbst ist der M...ensch
An ein semiprofessionelles Tonbandgerät müssen symmetrische, niederohmige Mikrofone nach DIN 45 594 anschließbar sein.“ So fordert die Funkschau im Jahre 1977. Die symmetrische Kabelauslegung hat den Vorteil geringer Störanfälligkeit selbst bei großen Kabellängen.
Die TS 1000 besitzt zwei Mikrofon-Eingänge, die nach symmetrischer und asymmetrischer Norm umschaltbar sind. Der eine für den rechten, der andere für den linken Kanal, jeweils einem Flachbahnregler zur Aussteuerung zugeordnet. Die linke Buchse ist auch für die Einspeisung eines Stereosignals geeignet. Die Umschaltung vom Stereo- auf den Monobetrieb geschieht automatisch am Vorverstärker-Eingang unter Verwendung von Reedkontakten, wenn eine Steckerhülse in die rechte Mikrofonbuchse eingeschoben wird.



Mit einem Schraubendreher läßt sich der kleiner Schalter zwischen den beiden Mikrofon-Buchsen verstellen. In Stellung „L“ (Low) kommt ein Mu-Metall geschirmter symmetrischer Eingangsübertrager für Mikrofone nach N-Norm zum Einsatz. In der Stellung „H“ (High) wird der Übertrager vom Verstärkereingang abgetrennt und macht den Einsatz für asymmetrische Mikrofone nach M-Norm frei. In Stellung „High“ kann der Mikrofoneingang auch für den Anschluß einer Hochpegel-Quelle, zum Beispiel für einen Kristall-Tonabnehmer, verwendet werden.
Die Buchsen der Grundig sind neben dynamischen natürlich auch für Kondensator-Mikrofone eingerichtet. Sollten diese über keine eigene Versorgungsspannung verfügen, hilft der zentralen Pin 6 der DIN-Buchse bei der Stromversorgung, an den über eine abgeschirmte Leitung die Vorverstärkerbetriebsspannung geführt ist.
Die HiFi-Stereophonie stellte allerdings fest, daß der Mikrofon-Eingangsübertrager für hochwertige Ansprüche eigentlich zu klein dimensioniert sei. „Mittelohmige Mikrofone (500 Ohm) sollten nicht angeschlossen werden, da mit wachsender Impedanz des Mikrofons die Verzerrungen deutlich zunehmen und der Baßfrequenzgang leidet. Ebenso können Trittschallgeräusche zu Intermodulationsverzerrungen führen, indem sie den Übertrager magnetisch „zustopfen“.
Die Übersteuerungsgrenze sei mit -30 dBV für Amateurzwecke viel zu niedrig. Der Mikrofoneingang müsse daher zu oft umgeschaltet werden, womit sich allerdings auch die Kontaktbelegung ändere, so daß immer wieder unsymmetrisch und daher mit Kabeladaptern gearbeitet werden müsse. Auch sei der Radioeingang für das Zumischen weiterer Mikrofone wenig geeignet, da er in diesem Betriebsfalle zu stark rausche und sowieso phasenverdreht arbeite.
Mir stellt sich mir die Frage, ob der ambitionierte Amateur, der mehrere Mikrofone mischen will, nicht lieber gleich zum Mischpult gegriffen haben mochte, anstatt Mikrofone am Radio-Eingang anzuschließen. Welche andere Bandmaschine hat noch gleich mehr als zwei Mono-Eingänge für Mikrofone? Was bleibt ist die Empfehlung, für den Einsatz der Grundig als Mastermachine der grundsätzlichen Vorstellung zu folgen, die die Funkschau veröffentlichte, und niederohmige Mikrofone einzusetzen – Grundig empfiehlt eine Impedanz von 200 Ohm -, dabei nicht zu übersteuern und während der Aufnahme nicht herumzutrampeln.



Allerdings frage ich mich, wie viele Anwender wohl jemals ein symmetrisches Mikrofon an die Grundig angeschlossen haben mögen, anstatt zum Beispiel zu einem Grundig Kondensator-Mikrofon zu greifen, das der freundliche Fachhändler für diesen Zweck sicher gerne bereit hielt. Bei uns führte dies schon zu TK845-Zeiten zum Einsatz des GCMS332. Der Verkäuferin meines potentiellen Grundig Tonbandgeräte-Händlers um die Ecke hätte ich jedenfalls kaum zugetraut, daß sie neben der Fähigkeit zur Reparatur des Grundig-Fernsehgerätes auch Ahnung vom Unterschied zwischen symmetrischen und asymmetrischen Mikrofonen gehabt hätte.
Überhaupt vermute ich, wird der stolze TS1000-Besitzer seine Maschine eher nicht an den Henkel genommen und in den nächsten Club geschleppt, stattdessen lieber im heimischen Wohnzimmer an den interessanten Knebelschaltern gedreht und Flachbahnreglern geschoben haben, die da mit Multiplay, Synchroplay und Echo bezeichnet sind, während er zur Plattenaufnahme eine Ansage eingemischt oder mitgesungen hat. Das jedenfalls war bei uns zu Hause die Hauptbeschäftigung der alt-ehrwürdigen TK845.
So lassen sich mit Duoplay zwei Spuren einer Laufrichtung gemeinsam wieder- und einkanalig ausgeben. Auf diesem Wege lassen sich zum Beispiel Stereoaufnahmen vollinhaltlich auf ein Monogerät kopieren. Mit Synchroplay kann der Grundig-Ḅediener einer Führungsspur eine Synchronspur hinzufügen oder mit Hilfe von Multiplay die Mono-Aufnahme einer Spur zusammen mit einer Zumischung auf eine zweite Mono-Spur kopieren. Die beiden Flachbahnregler des Kopfhörer-Verstärkers erlauben dabei die kanalweise Kontrolle der Aktivitäten.
Die TS 1000 überragt ihre Ahnen zudem durch die Möglichkeit der stufenlosen Einstellung und Änderung der Arbeitsgeschwindigkeit während der Wiedergabe oder Aufnahme. Neben der Möglichkeit, die Grundig für den Einsatz mit fremdbespielten Bändern zu synchronisieren, wissen „Spielkinder“ die „VarSpeed“-Funktion  im Zusammenspiel mit der Echo-Schaltung zu schätzen, die durch die Veränderung der Nachhallzeit individuelle Effekte erzeugen helfen kann. Übrigens in Mono und Stereo. Die Lautstärke der Echo-Einblendung läßt sich ebenfalls stufenlos regeln. Natürlich kann VarSpeed auch als Pitch-Funktion eingesetzt werden, um beispielsweise mit Synchro- oder Multiplay ein Duett oder einen Chor der eigenen Stimme in unterschiedlichen Tonhöhen zu erzeugen.
Die Aussteuerungsautomatik ist im Trickbetrieb übrigens immer abgeschaltet.



Neben der Aufnahme von Hand kann die Grundig auch per Zeitschaltuhr automatisch gestartet werden. Der Netzschalter birgt dafür eine verriegelte Position „Timer“, die nach dem Druck auf die Verriegelungstaste vorgewählt werden kann. Die Grundig startet dann bei Stromzufuhr im Aufnahmebetrieb. Das tut sie so lange, bis das Band zu Ende oder der Timerbetrieb abgeschaltet ist
Insbesondere hier mag sich die Einstellung der Aussteuerungsautomatik oder des Limiters lohnen. Insbesondere dann, wenn der Dynamik-Charakter der programmierten Sendung nicht vorhersehbar ist.

Wer in Besitz eines Dia- oder Schmalfilmprojektors ist, findet über dessen Anschlußbuchse nach DIN 45 523 und ein Adaptergerät (z.B. Grundig SonoDia 272a oder Volland Synton 8T oder 16T) Anschluß an die Grundig, die sich auf diesem Wege mit dem Projektor synchronisieren kann.
Dazu wird mit Hilfe des Dia-Pilotkopfes zusätzlich zum Programm auf die jeweilige Außenspur ein Steuersignal aufgezeichnet, das das Bandgerät im Wiedergabebetrieb ausliest, unhörbar an das Projektoren-Steuergerät weitergibt und damit den Ablauf der Projektion, zum Beispiel den Bildwechsel, steuert.
In den grünen Grundig Service Büchern sind übrigens Empfehlungen für die Abänderung der Kabel anderer Hersteller (Agfa) bzw. Beispiele für Anschlußbuchsen bestimmter Projektoren aufgeführt. Auch einen Inkompatibilitäts-Hinweis findet man hier.



Aber auch andere kleine Helferlein unterstützen den Grundig-Hüter bei der Arbeit mit seiner Maschine: So besitzt die TS1000 eine eingebaute Klebeschiene mit Schnittlineal und Halteklammern für das Tonband, und ist damit nicht nur gut für Reparaturzwecke, sondern insbesondere auch für den kreativen Bandschnitt geeignet. Zumal die Bandführung so konzipiert ist, daß sich das Bandmaterial schnell und bequem einlegen läßt: Einfach in den Schlitz der Kopfträgerverkleidung schieben, um die linke und rechte Umlenkrolle führen, und straff ziehen; keine weitere Rolle oder Führung muß dabei umwickelt werden. Eine zusätzliche, mechanische Pausentaste hilft beim schnellen Wieder-Einstieg in die vorher gewählte Funktion.
Eine aufsteckbare Reinigungsgabel mit drehbaren Filzröllchen, bei Grundig schon ein beinahe historisches Ausstattungsdetail, wird beim langsamen Umspulen zur Bandreinigung genutzt.
Sehr praktisch auch die Cueing-Funktion, mit deren Hilfe das Wiedergabesignal im Umspulbetrieb abgehört werden kann. Dabei bleibt die Höhenanhebung der Entzerrung im Wiedergabeverstärker abgeschaltet, um die Lautsprecher nicht zu gefährden. Auch hier erweist sich die Möglichkeit der stufenlosen Regelung der Umspulgeschwindigkeit als ausgesprochen praktisch: Man kann gesuchte Bandstellen sehr langsam anfahren.



Ebenfalls als Bandstellen-Suchhilfe, aber noch viel umfangreicher nutzbar, ist der ausgesprochen sinnreiche Mechanismus des vierstelligen, Riemen-getriebenen Bandzählwerkes. Für dieses besitzt die Grundig zwei Anzeigen: Die obere, vierstellige und mit Rückstell-Taste versehene Zählwerks-Anzeige entspricht dem Standard. Die untere macht den Mechanismus interessant, weil jede der vier Ziffern-Anzeigen als Rädchen ausgeformt ist und die manuelle Einstellung einer beliebigen Ziffernfolge ermöglicht, die natürlich einer Bandstelle entspricht. Mit Hilfe der Memory-Funktion – eine rote LED meldet deren Aktivierung – kann dieser voreingestellte Zählwerks-Wert dann angefahren werden. Aus jeder Laufwerksfunktion stoppt die Grundig, sobald die Ziffern von Bandzählwerk und Vorwahlzähler übereinstimmen.

Was reinkommt, muß auch wieder raus!
Die TS 1000 verfügt neben der Würfelstecker-Buchse für den Kopfhörer-Anschluß, an ihrer Rückseite über DIN-Buchsen für den schon beschriebenen DIN-Radio- und einen Hochpegel-Monitor-Ausgang, mit je 10 kOhm Quellen- bzw. Entkopplungswiderstand, niederohmig genug, damit die Kabelkapazität von 250 pF im Übertragungsbereich ohne Einfluß bleibt.



Bei geschlossenem Gerät und mit Hilfe eines Schraubendrehers (nicht im Lieferumfang enthalten!), gewährt ein Loch in der Rückwand der Maschine Zugang zu einem Potentiometer (R62) auf der Platine „Automatic-Mischverstärker“. Hier kann der Ausgangspegel der TS1000, für beide Kanäle gemeinsam, an den Anschluß des Steuergerätes angepaßt werden. Der Regelbereich umfaßt etwa 10 dB.

Rauschverdrückung
Auf der Front der Grundig befindet sich ein Schalter, der ihrem Dreh-Assistenten die Aktivierung einer Dolby-Funktion anbietet. Allerdings läuft der Versuch bei frisch erworbener Maschine oft ins leere: Keine Reaktion.
Für 180 Mark konnten die beiden „Dolby“-Platinen zusätzlich erworben werden, die sich bei geöffneter Maschine von hinten problemlos in die freien Steckplätze hinein schieben lassen. Der Dolby-Schaltkreis kann erst dann über den serienmäßig vorhandenen Knebelschalter an der Front der Maschine aktiviert - oder besser abgeschaltet werden: Neben Sony gehörte nämlich Grundig zu den Herstellern, die zeitweilig Ihre Dolby-Bausteine auf der Basis des britischen Patentes selber herstellten. Die Eigen-Herstellung, die beim CN730 (siehe HiFi-Stereophonie 3/77) mit der zusätzlichen Integration der DNL-Schaltung hätte gerechtfertigt werden können, erwies sich bei der TS 1000 als unglückliche Entscheidung. „Man hatte, um zu sparen, einen Verstärker des Seitenzweiges, einen Verstärker des Steuersignals und die Überschwingbegrenzung so ineinander verschachtelt, daß das Grundig „Dolby“ bei Lautstärkeänderungen zu langsam reagiert, teilweise sogar im Regelverhalten überschwingt und zudem äußere Einflüsse das Signal amplitudenmodulieren können.“ Im Test der HiFi-Stereophonie stellt sich das so dar, daß ein 4 kHz-Ton, dessen Pegel plötzlichen Veränderungen von einem Vielfachen von 10 dB unterworfen wurde, Vor- und Hinterband miteinander verglichen worden war. Eine zum Vergleich angeschlossene externe Dolby-Einheit (Teac AN-300) erzeugte nach einer Impulsänderung ein Überschießen von maximal 1 dB für höchstens 0,11 Sekunden, während die Grundig-Schaltung des öfteren mehr als 5 dB überschoß und durchschnittlich 0,24 Sekunden für das Abschwingen benötigte, sich dabei sogar ohne Pegeländerung des Ausgangssignals das Hinterbandsignal bis zu 4,5 dB moduliert zeigte. Eine geniale Methode den treuen Kunden vom Kauf  weiterer Grundig-Produkte abzuhalten.
Doch natürlich gibt es auch externe Rauschunterdrückungssysteme, die problemlos mit der Grundig harmonieren, dabei den Vorteil haben, daß sie sich für jedes neu aufgelegte Band optimal kalibrieren lassen, ohne daß die Maschine geöffnet werden müsste. Schaut zum Beispiel einmal in den „Helferlein“-Thread (http://mb.abovenet.de/forum2/showtopic.php?threadid=4058&highlight=Helferlein) nach dem Telefunken CN 750 Highcom, das den Vorteil besitzt, nebenbei auch als DIN-Anschluß-Adapter fungieren zu können, das der TS1000 mit einem kalibrierbaren Aussteuerungsinstrument und einer Aussteuerungs-Balance-Regelung zur Hilfe kommen kann.
Ob die Grundig hingegen wirklich Hilfe bei der Rauschbekämpfung braucht, muß jeder für sich selbst entscheiden. Tester fanden ihre Dynamikwerte jedenfalls „ausgezeichnet“. Zudem zeigt bereits ein Beiblatt in der Service-Anleitung vom März 1977: Grundig hat die Dolby-Schaltung überarbeitet. Leider ist mir nicht erkenntlich, ob verbessert, leider ebensowenig bekannt, welche Version in der HiFi-Stereophonie getestet worden ist. Zumindest sollten Käufer darauf achten, Dolby-Platinen mit einem eingeätzten Suffix „x.2“ oder höher hinter der Platinennummer zu bekommen, wenn sie denn wollen.

Variationen
Es wird immer wieder behauptet, Grundig hätte geplant gehabt, das Arbeitsspektrum der TS 1000 um die Geschwindigkeit von 38 cm/s zu erweitern. Auf einer Homepage (http://www.thevintageknob.org/THEVAULT1/TS1000/TS1000.html) wird diesbezüglich  eine „Version 2“ genannt.
Tatsächlich finden sich Geräte bei denen es anstatt einer, zwei Riemen-Aufnahmen unterschiedlichen Durchmessers für die Kraftübertragung vom Capstanmotor zu der Schwungscheibe gibt. Tatsächlich kann man in den grünen Grundig Service-Handbüchern (sollte es die grünen Handbücher auch in blau geben, dann sicherlich auch in den blauen Handbüchern) der Jahre 1977 und 1978 in der Aufstellung „Riemenbestückung von Grundig Tonband- und Diktiergeräten“ unter der Sachnummer 07881-788.00 den Riemen „Motor-Schwungmasse (38 cm/sec)“ ordern und in der Aufstellung „Technische Daten der Grundig Tonbandgeräte“ zur TS 1000 unter dem Eintrag „Bandgeschwindigkeit in cm/s“ lesen: „4,76/9,5/19 (var.) bzw. 9,5/19/38 (var.)“. Ab der Ausgabe 1979 (der wie auch immer gefärbten Handbücher) findet sich als Alternative zum Standard nur noch der Eintrag: „9,5/19 (var.)“.
Eine andere Internetseite berichtet von einer TS-1000 Version mit Tipptasten http://www.useddlt.com/einblick-ts1000.html.

Abgesehen von dem Vorserienmodell, das Grundig 1975 auf der Funkausstellung präsentierte, ist mir exakt ein Bautyp TS1000 bekannt, den ich mit meinem Geschreibsel zu beschreiben versuche.
Die höchste mir bekannte Seriennummer liegt bei knapp unter 18.000. Die Maschine trägt Papst Motoren von 1977 und ist am 19.11.1977 für 2400 Mark bei Radio Wohlfeil in Berlin verkauft worden.
Mir ist weder ein Gerät bekannt, das ab Werk die 38 cm/s bildeten konnte, noch das auf die 4,76 cm/s verzichtet, noch ein Gerät mit anderer, als der Sensor-Steuerung. Noch ist mir auch keine anders lautende, belastbare Information dazu über den Weg gelaufen.
Die TS1000 erscheint zuletzt im Grundig-Katalog von 1979 und sieht dort noch genauso aus, wie zuvor.

Eine bekannte Variante der Ausstattung befindet sich in der Regel-Elektronik: Zuerst war die Grundig mit roten LEDs ausgestattet. Später haben IR-Dioden die Lichtschranke an den Fühlhebeln gebildet.
Aus der Service-Anleitung vom März 1977 sind Änderungen an der Serie ablesbar: Die Schaltung im Aufnahme-Strang zeigt Variationen am Eingangsverstärker, am Pegelregler-Baustein, am Automatik-Mischverstärker, auf der Aufnahmeentzerrer-Platine und auf der Spurwahl-Oszillator-Platte. Die Wiedergabe-Zweig zeigt Veränderungen am Elektronischen Schalter, am Wiedergabe- und Kopfhörerverstärker. Außerdem wurde der Dolby-Baustein überarbeitet.
An den Kopfträgern hat es meines Wissens nach nur eine kleine Änderung am Design gegeben: „Das Kopfhaus kann bis Ger. Nr. 10299 nur entfernt werden, wenn die Kopfträgerbrücke abgebaut ist“ (Service-Anleitung 3/77). Ab der Gerätenummer 10300 habe sich die Lage der Verschraubung des Kopfhauses am Kopfträger geändert..

Ich vermute, die Stückzahlen rechtfertigten keine echte Serien-Änderung. Ich vermute, Grundig hat Geräte produziert, die sich allerdings nicht so verkauften, wie man hoffte. Notwendiges wurde überarbeitet, dabei mussten vor allem die vorgefertigten und anderswo bestellten Bauteile verbraucht werden. So erkläre ich auf der Rückseite von Platinen eingelötete Bauteile, die sich an verschiedenen TS1000 finden.

Auch wenn die Anzahl der Buchstaben und Nebensätze, die ich produziert habe, und einige hochgestochene Formulierungen in diesem Artikel einen Kenntnisstand zu suggerieren versuchen, muß ich doch konstatieren, daß meine bisher höchst oberflächliche Betrachtung bestenfalls eines Halben Duzend von einigen Tausend gebauten Maschinen statistisch nicht eben aussagekräftig für die Verneinung der Existenz der sogenannten „Version 2“ oder anderen Serien-Modifikationen ist.
Wer was weiß, der möge sich melden!



Im Laufe der Jahre haben allerdings TS1000-Benutzer sinnreiche Variationen erdacht. Eine davon ist die praktische Hauben-Stütze, mit der meine Maschine ausgestattet ist. Nachahmenswert. Vielleicht für beide Seiten?

Nur groß oder auch artig?
Die FonoForum bescheinigt der Grundig im Sommer 1977 „insgesamt sehr gute Technische Daten, hervorragende Verarbeitung und Fertigung“. Schon ihre Kritik aus einem Vergleich mit einer Revox A700 ist ein Lob an sich. „Aufgrund der hervorragenden Höhenaussteuerbarkeit und Höhendynamik (Anm.: bei 19 cm/s) ist das Klangbild sehr durchsichtig und verzerrungsarm. Rauschen beeinträchtigt den Hörgenuß auch ohne Dolby nicht.
Im Vergleichstest der AUDIO im März 1979 trat die TS 1000 gegen einige zeitgenössische Konkurrenten an: Akai GX 630D Pro, ASC 6002, Pioneer RT 1011L, Revox B77, Sony TC 765, Tandberg TD 20A, Teac A-3300SX und Uher SG 631 logic. Sie war nicht nur die teuerste Maschine im Testfeld, sondern auch die größte – was das Volumen angeht. Auch wenn man dem Testbericht anmerkt, daß die Grundig nicht gelobt werden sollte, schlossen die Tester sie nicht von der pauschalen Aussage aus: „Die wohl besten Tonbandgeräte in der Preisklasse unter 2500 Mark werden in Europa gebaut.“ Zumindest bei 19cm/s wurde die Grundig im Hörtest sogar vor der Revox B77 eingeordnet.
Die HiFi-Stereophonie weiß zu berichten: „Die Gleichlaufwerte sind absolute Spitzenklasse. Aber nicht nur die nach DIN bewerteten, sondern auch die linear gemessenen Werte erfüllen höchste Ansprüche“  Während sich die Gleichlaufwerte der TS1000 selbst bei 4,76 cm/s noch besser darstellten, als bei anderen Bandmaschinen bei 19 cm/s, sahen sich die Tester gezwungen, die Konstanz der Bandgeschwindigkeit, die nicht von der Netzfrequenz abhängig ist, bei dem frühen Seriengerät zu kritisieren: Abweichungen von 0,4% zwischen Aufnahme- und Wiedergabebetrieb oder an verschiedenen Tagen seien – wahrscheinlich temperaturabhängig - immer wieder aufgetreten. Kurz nach dem Einschalten wich die Grundig sogar um bis zu 2% vom Soll ab. Es wurde empfohlen, die TS 1000 warmlaufen zu lassen. Die Hochlaufzeit und Schlupf wurden als „ausgezeichnet“ bewertet, die Umspulzeit erwies sich als Bauart-typisch (Direktantrieb der Wickelteller) hoch.
Die Wiedergabefrequenzgänge sind ausgezeichnet.“ Auf das Problem der absoluten und relativen Kopfjustage am Testgerät der HiFi-Stereophonie hatte ich schon hingewiesen. Es führte im Test des Halbspur-Kopfträgers zu unterschiedlichen Ergebnissen für die beiden Stereokanäle. Nicht nur die HiFi-Stereophonie fand die „Gesamtfrequenzgänge könnten zu den Höhen hin etwas ausgedehnter sein.“ In der Audio befand man, sie klänge „in den oberen Mitten und in den Höhen eine Spur freier als die Revox, erschien jedoch gegenüber dem Original um den gleichen Betrag dunkler timbriert.“ Demgegenüber lobte die FonoForum die „ausgesprochen linearen Verläufe“ der Frequenzgänge, „ohne ausgeprägte Resonanzen“. Bei 19 cm/s würde die Übertragungsgrenze oberhalb von 20 kHz, bei 9,5 cm/s bei ca. 18 kHz liegen
Die Dynamikwerte bewertete die HiFi-Stereophonie als „ausgezeichnet“. „Ganz besonders hervorzuheben sind die Fremdspannungswerte; hier scheint wirklich „keinerlei“ Brumm mehr vorhanden zu sein.“ Eine Brumm-Einstreuung aus dem Netzteil las jedoch die FonoForum aus der „Analyse der Störspannung“ ab und kam zu dem Schluß: „Aus diesem Grunde sind die Werte für Fremdspannung und Tiefendynamik etwas schlechter.
Aus der Messung von 200-Hz-Testburstsignalen, die von der HiFi-Sterophonie als „sehr symmetrisch“ bewertet wurden, leiteten die Tester „eine gute Baßwiedergabe bei allen Geschwindigkeiten“ ab. Das Gegenübersprechen im Vierspur-Betrieb könne besser sein. Zudem seien auch die Verzerrungen Vorband unnötig hoch, im Monobetrieb noch höher als bei Stereo. Außerdem konnte ein Modulationsrauschen festgestelt werden, das von hochfrequenten Längsschwingungen im Tonband herrühren würde.

Letzlich muß ich aber konstatiert, das all die vermeintlich abwertenden Kriterien ebenso, meist noch stärker, bei anderen Bandmaschinen auftreten. In der Gesamtbetrachtung kamen die Tester nicht umhin, die TS 1000 durchweg zu loben. So zitiert Grundig im Katalog stolz die Januar-Ausgabe der Stereo von 1979: „Preis, Ausstattung und technische Konzeption ... nehmen Spitzenklasse-Niveau für sich in Anspruch

Meine TS1000 stand einige Jahre – mehr oder weniger fest eingepegelt – und hat das aufgenommen, was aufzunehmen war. In der Regel vom Radio. Problemlos. Souverän.
Wo sie ehemals stand, steht seit einiger Zeit eine frühe ASC und verrichtet ihren Dienst. Im „Normalbetrieb“ und im Ergebnis nicht eben viel anders, als die Fürtherin.
Die AS 6002 ist kleiner – deswegen steht sie da, wo sie jetzt steht. Jedoch ärgert sie mich jedes mal, wenn ich sie benutze, mit ihrer Haube, die beim Öffnen von den von oben eingesteckten Anschlußkabeln behindert wird, was das Spulen-Wechseln nicht eben leichter macht. Solche Probleme kennt die Grundig nicht. Denn das Band-Einlegen macht die Grundig ihrem Einfädler leicht: Haube hoch klappen – sie steht selbstständig – Spulen auf die Dreizack-Befestigungen stecken und verriegeln. Das Band um die beiden Umlenkrollen herum führen und in den Schlitz zwischen Tonkopfträger und Bandführungsabdeckung stecken.
Meine TS1000 erzeugt einen extrem sauberen Bandwickel, sowohl beim Umspulen, als auch nach Wiedergabe. An leicht klebenden Bändern zerrt sie kräftiger beziehungsweise länger als eine ASC. Ein Prüfungsszenario, das ich übrigens noch in keinem Vergleichstest gefunden habe: Matschband-Umspulen!

Die Köpfe der Grundig sind im Betriebszustand hinter einer Klappe verborgen, die sich nach oben aus ihrer Führung herausheben läßt und dann eine nur unbefriedigend große Öffnung frei gibt. Will man den Zustand der Tonköpfe untersuchen, braucht man Licht und einen Spiegel, oder sollte die Grundig so hoch aufstellen, daß sich ein günstiger Blickwinkel von schräg unten ergibt. Ähnlich wollen ASC oder Braun behandelt werden.
Das Verhalten meiner TS1000 mir gegenüber hat sich übrigens nicht ver
« Letzte Änderung: Montag, 09.Juni.2014 | 09:59:52 Uhr von MichaelB »
"Den guten Tonabnehmer erkennt man daran, daß er bei einem Auflagegewicht von höchstens zehn Gramm auch bei stärksten Bässen nicht entgleist und nicht klirrt." (Fono Forum 3/53)

Offline Captn Difool

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Re: Von anderer Art: Eine Fürtherin zum Spielen.
« Antwort #1 am: Samstag, 30.Mai.2009 | 18:09:25 Uhr »
Hallo Matthias,
ein ganz toller Artikel  :_good_:  :_good_:

Die TS 1000 markiert sicher den Höhepunkt der Grundigbandmaschinenevulotion, ich kenne sie auch noch von früher, hatte allerdings nie eine. Sie repäsentiert zugleich den "Profilook" der in der zweiten Hälfte der 70er zu einem Marketinginstrument wurde und zu immer mehr "schwarz" gehaltenen Geräten führte. Leider war es nur der "Look" das "Feel" war eher amateurhaft. Später wurden viele Geräte zusätzlich noch "Professional" genannt, für mich immer eine Warnaufschrift, besser die Finger von zu lassen...wirkliche Profigeräte müssen mit ihrer Eigenschaft nicht hausieren gehen, sie sind es einfach von selbst.

Die Grundig ist in der Tat optisch ansprechend, aber die Ergonomie wurde der Effekthascherei untergeordnet, eigentlich Schade angesichts der guten Technik. Die Schieberegler machen sich im Standbetrieb äußerst unhandlich, besser wäre da eine wirklich professionelle Schrägaufstellung, die wieder die Pegelanzeiger schwierig einsehbar macht. Auch die Tipptasten sind "chic" aber unpraktisch. Für "Start/Pause" im Blindbetrieb gibt es eigentlich nichts besseres als einen großen Knebelsteller, sieht aber nicht "professional" aus... Nun denn, in den Wohnzimmern hat die TS 1000 dennoch sicherlich viele Freunde gefunden.

Offline Matthias M

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Re: Von anderer Art: Eine Fürtherin zum Spielen.
« Antwort #2 am: Sonntag, 31.Mai.2009 | 21:10:31 Uhr »
Hallo Andre,

danke für die Blumen :)

Was ich vermitteln wollte, ist das man zum Beispiel die TS1000 eben NICHT mit professionellen Geräten vergleichen sollte. Sie hat nie mit einer PR99, erst Recht nie mit einer M15a konkurriert.
Mich haben schon früher die Verkäufer und Tester geärgert, die die Grundig, wie zum Beispiel in der FonoForum, mit einer A700 verglichen haben. Die Geräte hatten unterschiedliche Zielgruppen!!!

Die TS1000 war ein Tonbandgerät, mit dem man den klassischen Grundig-Kunden bedienen wollte. Eine andere Frage, ob es den noch gab. A700-Besitzer gab es viel zu wenige, als das ein Unternehmen wie Grundig deren Kunden hätte abwerben wollen. Insofern sollte man sie auch bestenfalls an einer Philips N4450, eigentlich aber an einer Grundig TK 845 messen. Das ihr Klang bei 19cm/s erfolgreich mit Tandberg und ASC konkurrieren konnte, das sie in Testberichten klanglich besser als eine B77, sogar besser als eine Revox A77 bewertet wurde, ist eine nette Zugabe. Egal ob es letztlich stimmt, oder nicht. Ich denke, kaum ein Grundig-Käufer hatte anno 1977 eine Anlage, geschweige denn eine Boxen-Aufstellung, die der möglichen Qualität einer TS1000 gerecht wurde. Mit welcher Futter-Quelle auch... Radio? Platte?

Der "Profi-Look" diente natürlich der Verkaufsförderung innerhalb der Zielgruppe. Ebenso wie irgendwelche "Limited Editions" vom Golf. "Profi"-Anwender sollten damit ebensowenig angesprochen werden, wie Rennfahrer vom GTi. So doof waren die Profis nicht. Für so doof wurden die auch von Grundig nicht gehalten.
Was mich ärgert: Niemand kommt heute oder kam damals auf die Idee, zum Beispiel Wega ernsthaft für das Esslinger-Design zu kritisieren: Gab es einen Kundenboykott, weil die "STK-powered" Receiver mit Sony-Empfängern der Serie R3140 und R3141 durch das edle "Frog"-Design mehr hermachten, als in ihnen drin steckte (...wie Testberichte beweisen :) )? Warum wird hier genau anders herum reagiert, indem Wega dafür gelobt wurde und wird, zum Beispiel einfache Sony's als JPS edel zu verpacken? Wo die doch immer noch nicht mit "Highend" konkurrieren konnten.
Grundig hat eine TK845 besser gemacht und deren Käufer die Möglichkeit zum "Aufstieg", zum Ansammeln von Status gegeben. So wie ein gewisser Autohersteller in Wolfsburg bis zum Golf IV ein Auto immer größer gemacht hat. Welcher Mercedes-Fahrer käme auf die Idee, den aktuellen Golf dafür ernsthaft zu kritisieren?

Übrigens verstehe das bitte nicht als Kritik an Dir oder Deinem Meinung. Ich wollte meinen "Nachtritt" aus dem ersten Posting nur noch einmal in den Vordergrund heben.

Tschüß, Matthias
« Letzte Änderung: Sonntag, 31.Mai.2009 | 21:13:34 Uhr von Matthias M »
"Den guten Tonabnehmer erkennt man daran, daß er bei einem Auflagegewicht von höchstens zehn Gramm auch bei stärksten Bässen nicht entgleist und nicht klirrt." (Fono Forum 3/53)

Offline Gerd

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Re: Von anderer Art: Eine Fürtherin zum Spielen.
« Antwort #3 am: Sonntag, 11.Oktober.2009 | 22:11:13 Uhr »
Vollzitat des Startbeitrags gelöscht
Jürgen
« Letzte Änderung: Montag, 12.Oktober.2009 | 01:09:08 Uhr von Jürgen Heiliger »