Autor Thema: Rotel RA-1312, Tuning durch Austausch der Transistoren ???  (Gelesen 5028 mal)

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Offline stefan_4711

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Rotel RA-1312, Tuning durch Austausch der Transistoren ???
« am: Mittwoch, 08.April.2009 | 18:36:10 Uhr »
Hallo,
habe vor ca. 1,5 Jahren einen RA-1312 im ebay zum Verkauf angeboten und von einem Bieter diese mail bekommen

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"lieber stefan , high end war vor 30 jahren .
da konnten die boxen noch keinen bass .
rotel hat seine kennlinie angepasst um den fehler zu kompensieren ,
heute gibt es lineare boxen da klingt der rotel sehr wummerig . der endstufentransistor ist zu langsam .
der 2sd 388 sollte durch den schnelleren 2 sb 05 ausgetauscht werden .
inklusive der komplimentärtypen . erst dann hast du einen high end vollverstärker .
ist ein edelteil aber ohne die elektronische nachbesserung an linearen lautsprechern unerträglich .
deswegen nur mein geringes gebot . gruss elektronenlöwe ."
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Meine Frage an euch, ist da etwas wahres dran oder hat der Typ mir eine nur einen Quatsch erzählt um den Preis zu drücken ?

"... das Auge hört mit ..."     Gruss Stefan

Offline Jürgen Heiliger

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Re: Rotel RA-1312, Tuning durch Austausch der Transistoren ???
« Antwort #1 am: Mittwoch, 08.April.2009 | 18:53:34 Uhr »

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"lieber stefan , high end war vor 30 jahren .
da konnten die boxen noch keinen bass .
Ja, ne ist klar...... (selten sowas blödes gelesen)
rotel hat seine kennlinie angepasst um den fehler zu kompensieren ,
heute gibt es lineare boxen da klingt der rotel sehr wummerig . der endstufentransistor ist zu langsam .
Ach so, das hat also nur Rotel gemacht??? ---- Ich würde eher sagen das war der damalige Zeitgeist, der solches bei fast sämtlichen Geräteherstellern verlangt hat, wenn sie ihre Geräte verkaufen wollten.....
der 2sd 388 sollte durch den schnelleren 2 sb 05 ausgetauscht werden .
wenn's denn mal so einfach wäre, dann hätte er das Rad der HiFientwickler neu erfunden.....
inklusive der komplimentärtypen . erst dann hast du einen high end vollverstärker .
ist ein edelteil aber ohne die elektronische nachbesserung an linearen lautsprechern unerträglich .
deswegen nur mein geringes gebot . gruss elektronenlöwe ."
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Meine Frage an euch, ist da etwas wahres dran oder hat der Typ mir eine nur einen Quatsch erzählt um den Preis zu drücken ?



Ich würde aus dem Bauch heraus sagen reine Geldschneiderei. :wallbash
Ich behaupte demnächst auch, die Bandmaschine ist auf das falsche Bandeingemessen, die klingt einfach nur beschissen und bekomme mein Geld wieder zurück.... raucher01
Gruß
Jürgen

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Armin777

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Re: Rotel RA-1312, Tuning durch Austausch der Transistoren ???
« Antwort #2 am: Mittwoch, 08.April.2009 | 19:18:13 Uhr »
Hallo Stefan,

absoluter Blödsinn, den er Dir da erzählt (geschrieben) hat: den Klang ändert man nicht dadurch, daß man (schnellere) Transistoren in die Endstufe einbaut!  Der tatsächlich im RA-1312 verwendete 2SD388 kann bereits Frequenzen bis zu 9MHz, und das soll nicht schnell genug sein? :shok:
Transistoren in Japan heißen 2SA..., 2SB..., 2SC... und 2SD..., wobei die A und B PNP-Transistoren sind, die mit negativer Spannung arbeiten, die mit den C und D-Bezeichnungen sind NPN-Transistoren, die mit positiver Spannung arbeiten. Ein Austausch eines Transistors 2SD... in ein Modell mit 2SB... darf niemals erfolgen, das geht auf keinen Fall. Die Zahl hinter 2SA,B,C oder D ist nur eine fortlaufende Nummer, woraus sich ergibt, dass die kleinsten Zahlen zu den ältesten Typen gehören, die höchsten zu den neuesten. Gäbe es einen Transistor mit Namen 2SB05, dann wäre er viel älter, als der verwendete - aber schlimmer noch, es gab ihn nie, die Reihen begannen damals mit 2SX10! Das übelste, der Typ schreibt was von Komplementärtypen - der RA-1312 hat solche nicht!! Er ist mit jeweils vier 2SD388 bestückt und kommt ohne Ausgangselkos zurecht.
Der Typ hat lediglich versucht den Preis zu drücken, dabei aber ganz tief in den sprichwörtlichen Topf gegriffen! .,35

Abschließend: was der Rotel klanglich (angeblich) nicht bringen soll, das bringt auch kein anderer Verstärker. Egal, ob alte oder neue Boxen, entweder das klingt oder eben nicht, da hilft dann auch kein Verstümpern mit anderen Transistoren...

 :drinks:
« Letzte Änderung: Mittwoch, 08.April.2009 | 19:21:07 Uhr von Armin777 »

Offline wwoody

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Re: Rotel RA-1312, Tuning durch Austausch der Transistoren ???
« Antwort #3 am: Donnerstag, 09.April.2009 | 10:00:56 Uhr »
Also, so weit reichen meine Elektronikkenntnisse noch, dass ich sagen kan:

Selten so was dämliches gelesen!
 ;0008 ;0008 ;0008 ;0008 ;0008
Gruß, wwoody

be.audiophil

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Re: Rotel RA-1312, Tuning durch Austausch der Transistoren ???
« Antwort #4 am: Donnerstag, 09.April.2009 | 12:53:19 Uhr »
Moin Stefan,

Armin hat die technisch wichtigen Zusammnhänge beschrieben und damit ja auch den von Deinem eBay-Sprunzler geschriebenen Unsinn entlarft ...

... ich möchte nur kurz noch auf zwei weitere in dieser Mail enthaltene und weit sowie vehement verbreitete Ammenmärchen eingehen ...

da konnten die boxen noch keinen bass .

... auch das ist Schwachfug, denn bereits vor 30 Jahren existierte z.B. die HiFi-DIN-Norm und damit war auch damals ein Frequnezgang von 20 Hz bis 20 kHz technisch nicht nur möglich sondern auch schon mehr als eine Werbeaussage.

Was heute aber meist verschwiegen wird, ist der Pegelabfall unterhalb von 40 Hz ... jeder schielt nur auf die untere Grenzfrequenz oder eben die 20 Hz bis 20 kHz, betrachtet aber halt leider nicht, um wieviel leiser z.B. eine Frequenz unterhalb von 40 Hz erreicht wird oder welche Verstärkerleistung erstmal notwendig wäre, ob diese Frequenz dann genauso laut wiedergeben zu können, wie die Frequenzen obehalb von 40 Hz ...

... der "Hinweis" müßte also eigentlich sogar umgedreht werden ... denn, wie bei fast allen modernen Lautsprechern üblich, wird der Impedanzverlauf bei Frequenzen unterhalb von 50 Hz deutlich kritischer, als bei LS von vor 30 oder gar 40 Jahren ... die Impedanz steigt hierbei rapide - manchmal sogar fast exponentiell - an ... die Folge ist einerseits, daß alle unterhalb von diesen 50 Hz wiedergegebenen Frequnzen bei moderen Konstrukten unter der "Zuführung" gleicher Leistung (also beide Mael gleicher Verstärker und gleicher Schallpegel bei z.B. 1kHz) deutlich leiser wiedergegeben werden, als bei 30 Jahre alten Boxen.

Deshalb texten diese Sprunzler auch immer von angeblich dringend erforderlichen ultralaststabilen Endstufen ...  ;0001

heute gibt es lineare boxen da klingt der rotel sehr wummerig

... wummernder Bass ist mehr von der Konstruktion der Box und dem Raum abhängig, als den meisten dieser Obertexter und angeblicher High-Ender überhaupt bewußt ist.

Hier kommen zwei Faktoren zusammen ... erstens der verwendete LS spielt alles andere als Linear ... kann er ja wie oben beschrieben unterhalb von 50 Hz gar nicht mehr ... deshalb hat zweitens der Konstrukteur des LS eine leichte Überhöhung im sog. Grundtonbereich ausdrücklich vorgesehen/ eingebaut ... diese regt dann gewollt die Raumresonanz an und der Verbraucher hat das Gefühl von fulminatem Bass .. eigentlich spielt sich das nun Gehörte aber nicht im Bassbereich sondern im Grundtonbereich ab ... also zwischen 70 und 100 Hz ab ... nur deshalb merkt man den "Bass" auch im Zwerchfell ...

... spielte die Box in dem gegebenen Raum mit einem vernünftigen Bassbereich, dann würde man davon in der Magengegend nichts merken ... dafür aber könnte man nicht nur Bass da oder nicht unterscheiden, sondern auch den Unterschied zwischen einer Trommel mit glattem und rauhem Fell ...

Wenn´s also wummert, dann regt der betrachtete LS die Raumresonanz deutlicher an, als andere LS ... Lösung ... entweder anderer Raum, Raumtuning, andere Abstimmung des sog. Grundtonbereiches oder eben eine andere Box.

Die meisten dieser Sprunzler wechseln dann zuerst den Verstärker, danach die Box ... es komme ja wesentlich auf die harmonische HiFi-Geräte-Paarung an ... .,35 ... denn mit der technischen Seite des Raumes und der Raumresonanzen wären sie intellektuell einfach nur überfordert, zerstörte das Begreifen und Zulassen dieser Zusammenhänge doch mit viel Aufwand zurechtgelegte und sehr subjektive aber eher gänzlich an den Haaren herbeigezogene HiFi-Weltbilder ..  ;0001

Armin777

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Re: Rotel RA-1312, Tuning durch Austausch der Transistoren ???
« Antwort #5 am: Donnerstag, 09.April.2009 | 14:06:52 Uhr »
Hallo Rolf,

in der Tat, die Hifi-DIN-Norm 45500 gab es vor dreißig Jahren schon, auch schon vor 40 Jahren! Die sagt jedoch bei keinem Gerät oder bei keinem Lautsprecher etwas von einem Frequenzgang von 20...20.000 Hz, sondert fordert durchweg mindestens einen solchen von 50...12.500 Hz mit unterschiedlich starken zulässigen Abweichungen, je nach Gerätegattung. Meist gab es so genannte DIN-Toleranzfelder, die die maximal zulässigen Abweichungen exakt regelten. Bei Lautsprechern meine ich lag die Toleranz bei +/- 5dB(A), jedoch unterhalb von 100 Hz und oberhalb von 10 kHz durften es auch -8dB(A) sein. Also schon -8dB(A) bei 50 Hz gegenüber der Bezugsfrequenz von 1 kHz! Das klingt nicht nach Hifi. Die Aussage "vor 30 Jahren hatten die Boxen noch keinen Bass!" ist schon deshalb Blödsinn, weil die Boxen vor 30 Jahren allgemein viel voluminöser waren als heute. Die heute üblichen Säulen-Lautsprecher lösten die früheren "Schränke" und "Truhen" ab, selbst Regalboxen waren früher bedeutend voluminöser als die heutigen "schmalen Stifte". Durch die veränderte Bauart, sind große Basschassis nicht mehr einbaubar, die Folge sind langhubige kleine Tieftöner, die dann noch hohe Belastbarkeiten aufweisen müssen. Da bleibt der Wirkungsgrad einfach auf der Strecke, das wiederum wird durch gigantische Leistungsabgaben der Verstärker ausgeglichen. Unter dem Strich kann man die gesamte Entwicklung zusammen fassen;: "vor 30 Jahren hatte die Boxen noch kräftigere Bässe!" - also so ziemlich das Gegenteil dessen, was unser "entlarvter Sprunzler" (Zitat) ausgesagt hat.

 :drinks:
« Letzte Änderung: Donnerstag, 09.April.2009 | 14:09:00 Uhr von Armin777 »

Offline wwoody

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Re: Rotel RA-1312, Tuning durch Austausch der Transistoren ???
« Antwort #6 am: Donnerstag, 09.April.2009 | 17:59:17 Uhr »
Auf solche Sprüche diverser "Käufer" im eBay würde ich gar nicht achten.
Ich habe, wie auch viele andere hier im Forum und wahrscheinlich noch mehr als ich, schon einige solcher blödsinniger Äusserungen lesen müssen, bei den wenigen Geräten die ich in den letzten 1 - 2 Jahren verkauft habe.

Einfach nicht in die Irre führen lassen. Das beste was Du machen konntest, war hier im Forum nachzufragen.
Mir geht es bis heute nicht viel anders, obwohl ich auf solche Sprüche sicher nicht reinfalle, aber fragen schadet nie.
 :drinks:
Gruß, wwoody

Offline stefan_4711

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Re: Rotel RA-1312, Tuning durch Austausch der Transistoren ???
« Antwort #7 am: Mittwoch, 15.April.2009 | 19:57:25 Uhr »
Hallo,
danke für die Infos. Habe das damals auch nicht so recht ernst genommen zumal das Preisangebot das ich in dem Zusammenhang bekommen hatte auch völlig daneben war (120,00 Euro wenn ich mich richtig erinnere).

Bei den Rotels ist mir allerdings aufgefallen das die im Vergleich zu neueren Amps doch deutlich mehr Basswiedergabe haben.
Hatte vor meinem RA-1412 einen Marantz PM 15 S1 der hatte zwar eine bessere Auflösung aber kaum Bass. Scheint mir bei den anderen alten Amps ähnlich zu sein. Also irgendwas haben die damals anders gemacht.
"... das Auge hört mit ..."     Gruss Stefan