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Wie lange hält eine Nadel?

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Udo:
Ist halt ein Glücksspiel, kann klappen muss aber nicht.

Jürgen Heiliger:
Hi Joerg,

hier nun erst mal die versprochenen Bilder......

.... Als Reinigungshilfsmittel wird dann 2-fach destilliertes Wasser genommen und auf das Carbon-Fiber-Kissen zwei Tropfen gegeben.

Zum Kauf in der Bucht kann ich nur sagen, dass meine Erfahrungen bisher immer gut waren. D.h. insgesammt 16 von 16 Tonabnehmern gebraucht gekauft, hatten die versprochenen Eigenschaften und taten auch noch Jahre ihren Dienst einwandfrei. Davon waren 7 oder 8 aus der Bucht.

Captn Difool:
Ich hol das mal hoch...

Mein MC30 Super habe ich nun 21 Jahre, allerdings nicht so viel gepielt. Ich schätze, maximal (eher weniger) 1000 Plattenseiten, das entspricht etwa 300 Stunden. Der Dämpfungsgummi ist in der Zeit eher etwas verhärtet (knapp 80µ statt Anfangs 90µ), als die Nadel verschlissen. Hochtontests zeigen immer noch eine sehr saubere Abtastung. Daher denke ich, 700 Stunden (also weitere 2100 Plattenseiten) sollten da noch locker drin sein. Reinigen tue ich die Nadel mit einem Naßreiniger und einfachem Aquadest. Keine Probleme, absolut blanke Nadel (optisch wie neu) und mit etwas Geschick auch ebenso sauberen Nadelträger. Zur absoluten Schonung der Platten reinige ich solange wie ich das MC30 schon habe nach jeder Plattenseite die Nadel, fast immer klebt ein kleiner Bollen Vinyldreck an der Spitze, den ich nicht auf der nächsten Seite wieder verteilen will.

Kürzlich bekam ich ein MC10 Super aus der Bucht. Dachte erst, mein Gott, die Nadel scheint runter zu sein, da eine Flanke eine Einbuchtung zu haben schien. Auch war alles schwarz und konturlos. Also meinen Nadelreiniger genommen und in Ruhe abgepinselt, das dauerte so mehrere Minuten statt sonst Sekunden, aber die Vinylanbackungen lösten sich auf und es kam ein nackter, leicht grünlich schimmernder Diamant zum vorschein. Asymmetrieen waren nicht mehr erkennbar, auch nicht unter meiner Nadellupe. Die Nadel scheint in Ordnung zu sein. Hören konnte ich den TA bisher nicht, weil der Nadelträger etwas schief nach Plattenaußenrand steht. Wahrscheinlich wurde es ohne oder mit zu wenig AS gespielt. Ich drücke mit einem gefalteten Papierstückchen, welches ich eingeklemmt habe, derzeit den Nadelträger in die andere Richtung, vielleicht hilft das nach einiger Zeit. Dann werde ich das MC10 auch mal anspielen. Bilder folgen.

Was macht die Qualität eines Diamanten aus?

- Qualität des Rohdiamanten, hier gibt es in der Fachwelt sehr unterschiedliche Einstufungen, die ein Laie nicht sieht ("sehen doch alle gleich aus").
- Orientierung, das heißt, in welche Richtung sind die Kristalle gewachsen und wurde auch dies beim Schliff berücksichtigt? Das hat Einfluß auf die Oberflächenhärte der Schliffflanken.
- Politur, bei guter Auspolierung ist die Oberfläche glatter und hat weniger Reibung (kostet aber auch mehr durch längere Bearbeitungszeit).
- Justage im Nadelträger, oft sitzen die Diamanten schief und verschleißen durch falsche Lage schneller. Daher sollte man möglichst schliffgerecht den TA justieren und nicht nur an den Außenkanten des Gehäuses, da bleiben solche Dinge nämlich unberücksichtigt. Eine Nadel geometrisch sauber einzukleben ist aufwändig und kostenabhängig. Mühe macht man sich daher meist nur bei den anspruchsvollen Schliffen.
- Qualität des Dämpfungsgummis und der Nadelträgeraufhängung. Eingeschränkte Beweglichkeit fördert den Verschleiß.

Mit der Qualität und Beschaffenheit des Dämpfungsgummis steht und fällt auch die Qualität des Tonabnehmers. Einen Schliff und den gesamten Aufbau kann man meistens nachvollziehen, die Zusammensetzung und Verfahrenstechnik zur Herstellung des Gummis hüten die Hersteller dagegen wie das Coca-Cola-Rezept. Jeder hat das seine ganz eigenen Erfahrungen und Herangehensweisen. Die Beispiele von AKG zeigen, das hier Know-How fehlte und die Problematik anfangs unterschätzt wurde. Manche Hersteller kamen auch in zweifelhaften Ruf. So erzählte mir ein Händler, die Fidelety Research Systeme wären an sich sehr gut, nur bekäme man nie ein Exemplar, das genauso klänge wie ein anderes. Die tonalen Schwankungen wäre einfach zu sehr gestreut. Man sieht also, selbst renommierte Hersteller haben Probleme, dies in den Griff zu bekommen, so gibt es nicht selten auch ausgesuchte Exemplare, die als höherklassiges Modell verkauft werden, obwohl optisch weitgehend baugleich. Ich hatte auch mal ein Ortofon MC20 MkII, welches einfach zu hell und kühl klang, extrem anders, als man es sonst von Ortofon gewohnt war. Anscheinend war das durch die Kontrollen geflutscht.

Ein Diamant verschleißt natürlich auch. Zum einen läßt sich nicht ganz vermeiden, das sich Microsilikate in der Rille absetzen, die den Diamanten ganz langsam abschmirgeln. Auch das Vinyl selbst reibt. Der Verschleiß beim Diamanten ist aber sehr gering, praktisch kaum messbar, da ist der Rillenverschleiß deutlich größer. Mit Naßabpsielen kann man den Verschleiß deutlich reduzieren. Moderne Nadelklebstoffe sind resistent gegen Alkoholanteile, ein Abfallen der Nadel also nicht zu befürchten (um nur einigen Gerüchten zu begegnen). Das für und wider des Nasspielens will ich hier aber nicht weiter ausführen.

Generell tut man mit einem sehr hochwertigen Tonabnehmer seinen Platten einen Gefallen. Ein moderner Schliff, sei es Fineline, Linecontact, Microridge, Shibata, Gyger oder Van den Hul, sie alle haben relativ große Kontaktflächen und daher geringere Flächenbelastungen in der Rille. Sie erlauben zwar weniger Toleranzen und erfordern höhere Sorgfalt beim Einstellen, lohnen es aber mit weniger Verschleiß. Nicht nur bei der Platte, auch bei der Nadel. Denn die anspruchsvollen Nadeln sind in der Regel sorgfältiger geschliffen. Also auf maximal erreichbare Härte und auch gut auspoliert. Ein besonders kleiner Diamant (wie z.B. meinem MC30 S) sorgt zusammen mit dem konisch verjüngenden Nadelträger für eine geringere Massenträgheit (es gibt auch andere Lösungen wie extra dünne Nadelträger aus Berylium, Bor oder Rubin). Bei hohen Impulspegeln läßt er sich so leichter "hin und her werfen" - sprich folgt williger diesen Auslenkungen als ein größerer und schwererer Diamant (z.B. meinem VMS 30 MkII). Hier entstehen kurzzeitig höhere dynamische Andrücke, die entsprechend mehr Verschleiß erzeugen. Ist es bei einem preisgünstigen System dann auch noch ein minderwertigerer Diamant, beschleunigt sich der Verschleiß nochmals.

Diese Aspekte sollte man daher bei der Auswahl eines Tonabnehmers berücksichtigen. Dies mal als spontan niedergeschriebene Gedanken dazu  .,045

Compu-Doc:
Toller Post, Respekt!  :drinks:

Captn Difool:
Teil 2

Wie kann ich als Laie die Materialqualität einer Nadel einschätzen?

Wer schon mal die Unterschiedlichen Nadeln aller Preisklassen gesehen hat, wird zugeben, sie sehen auch unterschiedlich aus. Alte Nadeln aus Opas Röhren-Musiktruhe waren oft die sog. Saphiere mit Wechselbestückung, also eine Nadel auf zwei Seiten mit Drehfahne. Die sind heute kaum noch in Gebrauch. Saphire sind weniger hart als Diamanten, teilweise wurde auch Rubine verwendet.

Jürgen erwähnte weiter oben, es gibt Nadeln die aus Diamantstaub (Abfälle aus der Diamantschleiferei, mikroskopische Diamantsplitter) gepresst sind, gewöhnlich wie Presspan mit einer Bindesubstanz (meist synthetikharzige 2-Komponentenkleber). Diese sehen "Naturtrüb" aus, oft grünlich, milchig matt. Da auch dieses Material in der preisbewußten Massenfertigung noch teuer ist, hat man nur die kleine Kuppe eines Kegels geschliffen, zumeist sphärische 15µ-Schliffe und diese auf einen angegekegelten Metallschaft geklebt. Dies waren meist die preiswerten Einstiegssysteme, wie z.B. Stanton 500 oder Shure M75.

Nach der gleichen Herstellungsweise gab es aber auch schon elliptische Schliffe, die waren idR 8x18µ, ein bewährter Standardschliff, wobei die Kuppe mit zwei gegenüberliegenden Facetten versehen wurde. Anschließend werden die scharfkantigen Flächenübergänge zu den Seiten hin verschliffen/poliert und so entsteht die elliptische Form.

Die etwas teureren Nadeln erhielten auf dem Metallschaft einen synthetischen Industriediamanten, gelblich schimmernd und manche sogar einen Naturdiamanten. Diese sind immer glasklar und farblos. Teilweise wurde statt eines Metallschaftes auch einer aus Saphir oder Rubin verwendet.

Bei den höherwertigen Nadeln verwendet man meist schon das sog. "nackte Stäbchen", ein im Querschnitt zumeist quadratischer Stab im Längenverhältnis von 3:1. Hier wird der Schliff am Ende des Stäbchens angeschliffen. Es beginnt mit einem Rundschliff, der so belassen einen spährischen Schliff ergibt. Mit zwei Facetten, vorn und hinten in Rillenausrichtung gesehen, den elliptischen Schliff. Das Stäbchen wird direkt asl Ganzes in den Nadelträger eingeklebt.

Die hochwertigen Nadeln

Der Shibataschliff, der etwa Mitte 70er zur Abtastung der Quadrofoniemodulation erdacht wurde, bekam erstmals ein Anschliff mit vier Facetten, dieser gilt als Urtyp aller nachfolgenden "Kontaktschliffe". Die Radien waren typisch mit 6x60µ  Die Nadel steht im Querschnitt mit der langen Achse im Nadelträger, also die Kanten des Quadrats vorne und hinten. Die beiden anderen Kanten stehen genau auf der Rille und dienen als Ansatz zu Ausformung der Kontaktflächen. Diese Ausrichtung ermöglicht erst die scharfen Schliffe. Als etwas preisgünstige Abwandlung davon ersann Ortofon 1976 den Finelieschliff, der sich vom Shibata hauptsächlich duch den Verzicht auf eine Facette unterschied. Auf der Vorderseit gab es einen Anschliff wie beim elliptischen Schliff, hinten blieben die beiden Facetten. Das war ein Arbeitsgang weniger und reichte für eine feinere Abtastung im inneren Plattenradius. Allerdings ließ sich der Schliff mit 8x40µ nicht so scharf ausführen wie beim Shibata. Anfang 80er kam dann die Zeit der extremen Nadelschliffe. Aalt van den Hul bergündete diese Ära, da er mit den vorhandenen Schliffen noch nicht so recht zufrieden war und die Grenezen des Machbaren austasten wollte. Er wollte die Nadel dem Ideal des Schneidstichels annähern, der an den Rillenflanken messerscharf ist und eine spanabhebende Wirkung hat. Er änderte etwas die Winkel der 4 Facetten des Shibataschliffes, so daß er sehr scharfe Kanten zur Abtastung erhielt. 5x100µ Zugleich waren die Flanken von vorn gesehen, ein ganzes Stück lang sehr gerade, damit die Kontaktfläche groß wird. In der Tat konnte man nun erstmals bis zum Ende einer Plattenseite die Höhen praktisch vollständig austasten. Nachteile gab es aber auch: Die sehr große Kontaktfläche bis fast hinauf zur Plattenoberseite brachte es mit sich, das auch sämtliche Staubkörner in der Rille mit abgetastet wurden. Auch war die Herstellung sehr schwierig und nicht alle Nadeln konnten so scharf geschliffen werden. Die guten Exemplare "zweiter Wahl" wurden dann als weniger scharfe Schliffe "VdH II" mit etwa 5x70µ vermarktet. Meist in den etwas darunter positionierten Tonabnehmern unter dem jeweiligen Topmodell mit Van den Hul Nadel. In Sensationberichten der HiFi-Presse wurde dann teilweise Panik verbreitet, eine schlecht justierte VdH-Nadel würde es ihrem Vorbild dem Schneidstichel gleichtun und die Rille anfräsen... Dazu muß man so eine Nadel aber schon sehr grob fahrlässig, eigentlich schon vorsätzlich extrem falsch einstellen....na ja, "Audio", die damalige "Bild" unter die HiFi-Gazetten plottete das...

Es entstand aber schon bald der Wunsch nach einer Nadel mit den Abtasteigenschaften der VdH, aber mit weniger Rillengeräuschen. Der Schweizer Fritz Gyger, seines Zeichens auch Nadelschleifer im Auftrage Huls, "entschärfte" wiederum die Hulnadel, ohne sie wirklich schlechter zu machen. Die Rillenflanken erhielten wieder einen langen, flachen Radius, die Kontaktfläche wurde kleiner, ohne gefährich zu werden (etwa 5x80µ, teilweise noch schärfer). Die Rillengeräusche wurden merklich reduziert, die Abtastfähigkeit bis zum Plattenende bieb erhalten und auch Verschleiß beider Kontaktflächen blieb in gewünschten Grenzen. Der Auftraggeber war wohl Ortofon, welche den Gyger-Schliff  1984 mit dem MC20 Super einführte. Ortofon vertreibt bis heute an einigen seiner Systeme den Gygerschliff, so auch das MC-Rohmann, während man beim "Jubilee" nach dam alten SL 20 Q wieder den Shibataschliff verwendete.

Eine weitere Spielart ist der Microridge-Schliff, den Shure bei seinen Topmodell V5 einführte. Hier ist auch die Kontaktfläche radial, aber als "Schneidklinge" herausgearbeitet, die nicht übergangslos in die Außenkanten des Stäbchens übergehen.

Dann gibt es noch den Linecontact, den ich nicht näher kenne, wohl aber nur eine Spielart des Shibata gilt und sich eher aus marktpolitischen Gründen anders nennt. 

Diese Nadelschliffe haben sich bis heute sehr bewährt und stellen das Ende einer Entwicklung dar, da der Markt schrumpft und zugleich alle Spielarten erfolgreich ausprobiert wurden und sich größtenteils bewährt haben. Es gibt kaum eine Hersteller von Toptonabnehmern, die auf diese Schliffarten verzichten können. EMT bietet für seine TSD15 sogar drei Varianten an, den altbewährten Rundschliff für die Traditionalisten, den Finelineshliff für die, die die TSD als modernes System genießen wollen und den VdH-Schliff, für diejenigen, die auch beim EMT auf nichts verzeichten wollen.
Übrigens war es der TSD-Generator, auf dem Aalt van den Vul als erstes seine Nadel montierte. eine Zeitlang bot er es sogar als fertiges System mit Halbzollanschluss an.

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