Autor Thema: Telefunken magnetophon C 3300 hifi - ein Meilenstein  (Gelesen 5037 mal)

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Offline Matthias M

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Telefunken magnetophon C 3300 hifi - ein Meilenstein
« am: Samstag, 16.Februar.2008 | 23:19:36 Uhr »
Moin, moin

Normalerweise werden an dieser Stelle besondere Kassettendecks vorgestellt: Der Beste hiervon, der Größte davon, vielleicht das Lieblingsgerät oder ein Traum aus Jugendzeiten.



Auf das Telefunken Magnetophon C 3300 HiFi trifft eher keines dieser Attribute zu: Ein normaler Toplader mit wenig Köpfen und noch weniger Motoren. Die Ausstattung entspricht bestenfalls der gehobenen Mittelklasse und das Ambiente ragt auch nicht besonders hervor.

Diesen Telefunken stelle ich Euch an dieser Stelle aus zwei Gründen vor: Erstens fliegt er grade bei mir rum:



ein guter Anlaß zumindest, und zweitens – und das ist der eigentliche Grund – hat der Hannoveraner Flachmann zumindest eine Besonderheit: „Der Telefunken Cassetten-Recorder C3300 zeigt bisher einmalige Meßergebnisse, die alle gleichsam deutlich über unseren und den DIN-HiFi-Anforderungen liegen ...“(*), wie es im Test-Jahrbuch der HiFi-Stereophonie 1976/77 zu lesen war.

Man erinnere sich: Mit Beginn der Siebziger Jahre versuchten vor allem Japanische Hersteller mit Kassettenrecordern einerseits den Komfort-orientierten amerikanischen Markt zu erobern, andererseits die Dominanz der deutschen Tonbandgeräte-Hersteller im Bereich der Heim-Aufzeichnungsgeräte auf dem europäischen Markt zu brechen. Eine wahre Flut von Tapedecks aus japanische Produktion rollte los und schwappte auch nach Deutschland.
Dem großen ausländischen Angebot an Dolby-Cassetten-Recordern stehen nur wenige deutsche gegenüber“(*). Hierzulande hatten nämlich die Hersteller Philipsens Compakt Cassette, neben derer angestammten Domäne im Bereich der Diktiergeräte und Anrufbeantworter, scheinbar eher für den mobilen Einsatz im Auge. Dementsprechend wenig eigene Entwürfe setzte man der asiatischen Konkurrenz entgegen, verbaute lieber deren OEM-Laufwerke oder klebte gleich das eigene Firmenschild auf das zugekaufte Gerät. Und selbst hier beschränkten sich die meisten 'Hersteller' auf eher einfache Recorder.

Als der MC3300 im Telefunken-Report von 1975 vorgestellt wurde, hatte das Fachmagazin des Deutschen High Fidelity Institut (DHFI e.V.) HiFi-Stereophonie bereits mehr als zwei Dutzend Tapedecks getestet. Die Meisten waren an der HiFi DIN-Norm 45500 gescheitert. Neben großer Serienstreuung und oft unzureichender Werkseinstellung waren es vor allem Probleme am Laufwerk, die selbst Highend-Geräte, wie Nakamichi 1000 oder Sony TC-177 SD, scheitern ließen. Der BASF 8200 CrO² HiFi war der erste getestete Recorder, der die Bezeichnung DIN-HiFi in Anspruch nehmen durfte (Jahrbuch 1975). Im gleichen Jahr eroberte der Tandberg TCD-310 neben ihm den Referenz-Thron: „Wenn der Recorder TCD310 auch die HiFi-Anforderungen noch nicht in allen Punkten erfüllt, so konnte doch erstmals bei einem Cassetten-Recorder dem produzierten Klangbild die Attribute: „sauber, rauscharm, durchaus noch durchsichtig“ zugeordnet werden.“(***)
Zu dem Tandberg gesellte sich nun also in Nachfolge des BASF der Telefunken als zweite Referenz der HiFi-Stereophonie. Der Norweger brillierte, was die Klangqualität, der Hannoveraner, was die Meßwerte anging. Wie gesagt: Besser als die versammelte internationale Konkurrenz mit zum Teil umfangreichen Kalibrierungs-Möglichkeiten, drei Motoren und drei Köpfen.

Der Telefunken kommt im dezenten, eleganten, fast zierlichen Softline-Design der Modellreihe ab 1974 daher. Er gliedert sich hervorragend in die Serie der damaligen Telefunken Bandmaschinen (Serie M2000 und M3000), Plattenspieler (W248 und W268) und Steuergeräte (Opus, Concertino etc.) ein.
Während Braun und Wega Design als Luxus definierten, praktizierte es Telefunken eher als Massenprodukt. Keine edlen Hölzer oder gebürstete Metallfront, sondern Kunststoff in einfacher Verarbeitung mit lediglich metallenen Zier-Beplankungen verschalen das Blech-Chassis, in dem Antrieb und Elektronik verschraubt sind.
Dafür sind die drei Flachbahnregler auf gutem Niveau und die Kippschalter sehr hochwertig.



Die Kurzhubtasten sind, insbesondere in Anbetracht der bei der Konkurrenz massenweise verbauten vollmechanischen Kipptasten, in Verbindung mit den beleuchteten Laufwerks-Funktionsanzeigen in Klarschrift fast schon ein Luxus-Symbol. Die Bandsorten-Umschaltung erfolgt automatisch. Die beiden Drehspul-Aussteuerungsinstrumente sind groß aber im Gegensatz zum kleineren MC2200 nicht angewinkelt und daher schlechter ablesbar. Noch mehr gilt das für das mechanische Bandzählwerk, das aber im Gegensatz zu dem vieler Konkurrenten immerhin hell beleuchtet ist.
Nicht beleuchtet ist das Kassettenfach. Hier geht Telefunken einen eigenen Weg: Ein undurchsichtiger Plexiglas-Deckel verbirgt ein Direct Load-Fach.



Alle Funktionen können bei geöffnetem oder geschlossenem Deckel ausgeführt werden. Ist der Deckel offen, liegt die gesamte Kassette frei sichtbar. Nachteilig für geistig eher einfach gestrickte Menschen ist das Fehler einer Sicherung gegen die Entnahme der Kassette im Betrieb. Aber meinem Auto fehlt auch eine Sicherung gegen versehentliches Überfahren von Fußgängern und ich habe das trotzdem noch nicht ausgenutzt. Wer „das“ beim Telefunken ausnützt, der riskiert übrigens ein Verbiegen der Tonkopf-Halterung und damit ein nicht mehr ganz optimalen Azimuth.

Innere Werte hat der Telefunken auch: „Es handelt sich um ein einmotoriges Laufwerk mit Servo-Gleichstrommotor. Die ausgewuchtete schwere Schwungmasse auf der Tonwelle wird indirekt unter Zwischenschaltung eines Federelementes durch Riemen getrieben. Gesteuert wird das Laufwerk über sehr leichtgängige Tastenelektronik und 4 Zugmagnete.“ (*)
Der Telefunken besitzt zwei Köpfe: Einer zum Löschen, der andere für Aufnahme und Wiedergabe. Der in einem Gehäuse kombinierte Aufnahme-/Wiedergabekopf mit getrennten Systemen war nämlich noch nicht erfunden und die Geräte mit getrennten Aufnahme- und Wiedergabeköpfen hatten nachhaltig damit zu kämpfen, daß die Bandführung der Compact Cassette nur ein Filzpad für den Gegendruck vorsah. Echte 3-Kopf-Geräte brauchten daher einen aufwendigen Dual-Capstan-Antrieb, der das Band zwischen den beiden Antrieben straff hielt; wer den nicht einbauen wollte, der mußte sich automatisch auf eine Kombikopf-Auslegung beschränken und damit auf die Hinterbandkontrolle verzichten. Aber dafür bot Telefunken damals seine Bandmaschinen an.
Insbesondere die Anschlüsse wußten übrigens im Test zu gefallen: „Der DIN-Eingang könnte etwas empfindlicher sein, er ist aber sehr rauscharm und(!) niederohmig (ca. 2kOhm), was als Seltenheit positiv hervorzuheben ist. Der Mikrofoneingang ist auch sehr rauscharm, (...) Die Ausgangsleistung der Kopfhörerstufe ist ausgezeichnet hoch, andere Ausgänge werden nicht beeinflußt...“ (*). Profan? Die Erwähnung bedeutet, das solche Anschlüsse keine Selbstverständlichkeit waren und einige Hersteller daran scheiterten.

Highend aus Hannover? Eher nein! Lächerlich, wenn Geräte der Siebziger Jahre heute in Verkaufs-Angeboten in den gängigen Foren mit diesem Attribut versehen werden. Selbst die Klangqualität, die DIN-HiFi-Geräte von damals zu garantieren vorgaben, wird heute kaum einen Musikfreund wirklich aufrütteln. Auch nicht mit modernen Kassetten. Da können jüngere Recorder mehr. Schaut Euch mal die Technischen Daten an.
Man bedenke: Dieser Telefunken übertraf in allen Punkten die DIN-Norm. Die zweite Referenz, der  TCD-310 schaffte schon das nicht. Dual C901, Uher CG-360, Nakamichi 700, Nakamichi 1000, Sony TC-177SD, Tandberg TCD-300, Teac A-450, Harman-Kardon HK-1000 oder Pioneer CT-F 7171, um nur einige weitere getestete Geräte zu nennen, erst recht nicht. Und trotzdem gab auch die Referenz Anlaß zur Kritik: „Leider ist (...) etwas Brumm aus dem Rauschuntergrund heraushörbar. (...) Die Bandgeschwindigkeit (...) pendelt geringfügig langsam um den Mittelwert. Bei Aufnahme läuft das Gerät 0,25% schneller als bei Wiedergabe.“ (*). Außerdem hat der Telefunken Probleme mit dem Fremdspannungsabstand, was die Tester an der ihrer Meinung nach „ungünstigen, aber normgerechten Wiedergabetiefenentzerrung von neuerdings 3180, statt 1590, µs“ (*) festmachten.



Wer also bestmögliche Klangqualität aus der Musikkassette herauskitzeln will, der sollte heute zum „Hatsubishi 2000“ greifen. Der Telefunken ist eher etwas für das Regal, steht neben der inzwischen „zahnlosen“ Allzeit-Referenz Dragon als erstes Kassetten-Tapedeck, das die Anforderungen der DIN 45500 in allen Punkten gleichmäßig übertraf.

Technische Daten:
Toplader
elektronische Kurzhubtasten für die Laufwerkssteuerung
Laufwerkfunktions-Signalisierung mit beleuchteter Klarschrift
Aufnahme-Aussteuerung per kanalgetrennter Flachbahnregler oder Automatik
Eingangswahlschalter Line / Mikro, im Automatik-Aufnahme-Betrieb für die Programm-Umschaltung Sprache/Musik (****)
Aufnahmne-Betriebswahl: Mono / Stereo
Dolby NR mit Leuchtschrift-Signalisierung*
automatische Bandsorten-Umschaltung mit Leuchtschrift-Signalisierung*
beleuchtetes mechanisches dreistelliges Zählwerk mit Memory-Funktion (0-Stop)
elektronisch geregelter Präzisions-Gleichstrommotor**
Riemenantrieb mit mechanischem Tonhöhenschwankungsfilter**, Hohe Gleichlaufkonstanz durch getrennten Antrieb von Tonwelle und Wickelteller über eine elastische Ausgleichskupplung ****
1x Löschkopf, 1x kombinierter HNS-Aufnahme-/Wiedergabekopf** (HNS (Höchste Bandaussteuerung – Niedriger Klirrfaktor – Sicherheit vor Frequenzverlusten) mit Bandlauffläche („Spiegel“) aus „Hochwertiger Sinterbronze“ ****)
Eingänge: Mikrofon (2x 0,2 mV / 2,2 kOhm), Radio (2x 0,2 mV / 2,2 kOhm) und Phono (2x 200 mV / 2,2 Mohm)** bzw. Radio 0,13 mV / kOhm, Mikro: Eingangsempfindlichkeit -73 dBV = 0,22 mV, max. Eingangspegel -32 dBV = 24,5 mV, äquivalente Fremdspannung ca. -122 dBV*
Ausgänge: DIN (2x 580 mV / 4,7 kOhm) und Kopfhörer (2x 2,5 V / 400 Ohm)**
Zwei geeichte Spitzenspannungsmesser, beleuchtet**, schnell ansprechend mit Baß- und Höhenanhebung*, auch bei Wiedergabe in Betrieb ****
Gesamt-Frequenzgang: 30-12.500 Hz (Fe) bzw. 30-15.000 Hz (CrO²) nach DIN 45500 5/71**
Kubischer Klirrgrad bei 333 Hz und Vollaussteuerung: <= 3%**
Ruhegeräuschspannungsabstand (Dynamik) bez. auf Vollaussteuerung (k3=3% bei 333Hz): >= 64 dB (CrO² + Dolby) nach DIN 45511 4/75** bzw. mit/ohne Dolby 48,6 / 57,5 dB*
Fremdspannungsabstand  mit/ohne Dolby 47,1 / 47,3 dB  (k3=3% bei 333Hz)*
Geräuschspannungsdabstand (Dolby, CrO²) >= 57 dB (DIN/ bzw. >= 64 dB (IEC) ****
Höhendynamik mit / ohne Dolby: 39,2 / 46,7 dB  (k3=3% bei 333Hz)*
Gleichlaufschwankungen <= +/- 0,18% nach DIN 45507 bzw. bei Wiedergabe <= +/- 0,12% nach DIN 45500 Bl.4 5/71** bzw. +/- 0,10%-0,145% (DIN) / +/-0,19/0,24% (linear)*
max. Abweichung von der mittleren Geschwindigkeit <= +/- 1,5%** bzw. Anfang/Ende: -0,3 bis +0,05% / -0,6 bis -0,05% *
Löschdämpfung: >= 66 dB nach DIN 45510**
Vormagnetisierungs- und Löschfrequenz: 85 kHz +/- 3 kHz**
Dämpfung einer Spur durch Löschen der anderen <= 2 dB**
elektronische Bandend- und Störerfassung ****
8 ICs, 24 Transistoren, 48 Dioden ****
Abmessungen (BHT) 435 x 110 x 300 mm / Gewicht: 6,7 kg**
Preisempfehlung: DM 950,-**

Quellen:* HiFi-Stereophonie Test-Jahrbuch 1976/77, ** HiFi-Jahrbuch Nr. 8, *** HiFi-Stereophonie Test-Jahrbuch 1975, **** Telefunken Report 1975

Tschüß, Matthias
« Letzte Änderung: Sonntag, 17.Februar.2008 | 00:12:35 Uhr von Matthias M »
"Den guten Tonabnehmer erkennt man daran, daß er bei einem Auflagegewicht von höchstens zehn Gramm auch bei stärksten Bässen nicht entgleist und nicht klirrt." (Fono Forum 3/53)

Offline Jürgen Heiliger

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Re: Telefunken magnetophon C 3300 hifi - ein Meilenstein
« Antwort #1 am: Samstag, 16.Februar.2008 | 23:27:02 Uhr »
Hi Matthias,

Danke für diesen sehr kurzweiligen Bericht zu diesem "Allerwelts-Kasettendeck" ...... .,a095
Gruß
Jürgen

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Offline bukongahelas

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Re: Telefunken magnetophon C 3300 hifi - ein Meilenstein
« Antwort #2 am: Sonntag, 24.Februar.2008 | 07:42:10 Uhr »
Report aus dem Inneren eines Flohmarktschnapps:
Die Eisenkerne der Hubmagnete waren fest, brauchten FeinÖl.
Die Kontaktzungen der Schalter am Laufwerk brauchten Reinigung,teilweise neue Einstellung.
Ob der rechte Bandwickel stillsteht oder dreht, wird mit einer Lichtschranke und Reflexdrehscheibe festgestellt.
Die Lampe der LS ist mit der Lampe Zählwerkbeleuchtung in Reihe/Serie geschaltet. Fällt eine der Lampen aus, dann auch die andere. Dh dass wenn das ZW nicht mehr beleuchtet ist, fällt PLAY nach wenigen Sekunden aus, es wird fälschlich eine Bandblockade (Bandende oder Festläufer) erkannt. Eine mE grenzwertiges Konstrukt. Lampen erneuert.
Capstan-Andruckrolle ist verschlissen, daher unruhiger Klang, Azimuthprobleme bei verschiedenen MC.
Wo bekommt man eine Ersatzgummirolle ?
Ich gebe das C3300 auch für  VB 20 Euro ab.
gruss
bukongahelas
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Die Firma Audiotronic-Hifi bietet Reparaturen und Restaurationen klassischer und aktueller Hifi-Geräte