Autor Thema: Mark Knopfler -- Shangri-La  (Gelesen 1448 mal)

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Offline Jürgen Heiliger

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Mark Knopfler -- Shangri-La
« am: Dienstag, 07.August.2007 | 10:48:42 Uhr »
Hi,

Ich möchte Euch heute einmal folgende Scheibe näher bringen......

Mark Knopfler -- Shangri-La
    Erschienen: 2004 / Label: Mercury (ISBN: 60249867262) / neu 24€, gebraucht ca. 10€
    zur Zeit letztes StudioAlbum, Nachfolger von *The Ragpieker’s Dream* / Produzent: Chuck Ainlay + Mark Knopfler
    Musiker: Mark Knopfler, Richard Benett, Guy Fletcher, Jim Cox, Glenn Worf, Chad Cromwell, Paul Franklin

Tracklist
    5.15 A.M. / Boom, Like That / Sucker Row / The Trawlerman's Song / Back To Tupelo / Our Shangri-La / Everybody Pays / Song For Sonny Liston / Whoop De Doo / Postcards From Paraguay / All That Matters / Stand Up Guy / Donegan's Gone / Don't Crash The Ambulance

Anspieltipps
    "Back to Tupelo", eine kritische Auseinandersetzung mit Elvis' Filmkarriere.

Beschreibung
    Im vierten seiner Soloalben, nicht die Filmmusiken mitgerechnet, spielt Mark Knopfler sehr ruhig melodiös auf, regelrecht gelassen, aber niemals langweilig. Dies zeigt sich auch insbesondere zu Beginn des ersten Stückes "5.15 a.m.": Zwei ruhige Gitarrenakkorde und Knopflers ruhige Stimme ---- das war's. Später unterstreichen ein leises Schlagzeug, eine zweite Gitarre und ein Klavier das Geschehen, aber sie stören nicht die ausgesprochen gelassene Stimmung.
    Diese Gelassenheit / Relaxtheit während der gesammten Aufnahme in den Shangri-La Studios auf Malibu ist der Faden durch das gesammte Album.
    Zwar knüpft er durch sein unverwechselbares Gitarrenspiel an seine Vergangenheit an, dennoch klingt das Album weit mehr nach Tom Petty in seiner ruhigen Phase als nach Dire Straits.
     
    Ob gewollt oder zufällig, Knopfler verwertet schon geschriebene Melodien. "Back To Tupelo" könnte von Bob Dylan stammen, während in "Postcards From Paraguay" Gordon Lightfoot seine Spuren hinterlassen hat. Das abschließende "Don't Crash The Ambulance" kommt Santanas "Smooth "nahe, auch wenn es langsamer ausfällt.
    Sehr ruhige getragene Lieder -- fast schon bluesig --, ja gut nicht jedermanns Geschmack, im Stile der guten alten Songwriter bis zum Country-Western Stil der Chet Neck.

Persönliches Fazit
    Mit "Shangri-La" liefert Marc Knopfler erneut ein spielfreudiges und harmonisches Album ab. Der Druck und die Erwartungen aus den Tagen mit den Dire Straits hat er längst hinter sich gelassen. Mittlerweile spielt er Musik, die ihm aus dem Herzen kommt. Dass er damit dennoch Charterfolge feiert, ist eine erfreuliche Nebensache. Dass ihm dabei nichts groß Neues mehr einfällt, sei ihm verziehen.


Track by Track
Mark Knopfler über das Musizieren:

Wie der Song seinen Eigentümer wechseln kann.

Mich hat man schon tausende Male gefragt, was zuerst kommt, die Musik oder die Texte. Die Antwort weiß ich immer noch nicht. Einen Song zu schreiben ist extrem spannend. Sobald das Lied fertig ist, nimmt es eine eigene Gestalt an, steht regelrecht auf und läuft weg. Menschen, die meine Tracks hören, geben ihnen komplett neue Bedeutungen und Charakterzüge. Der Song gehört dann auch ihnen. Ich erzähle ungern zu viel über die Musik, so etwas kann den Hörer eigentlich nur davon abhalten, richtig hinzuhören."

1. 5.15 a.m.
Manchmal brauche ich eine halbe Ewigkeit für einen Song. 5:15 handelt von einem Mordfall in Tyneside, der schon seit meiner Jugend in meinem Kopf rumschwirrt. Die Geschichte erinnert ein wenig an "Get Carter."
Gangs aus dem Süden pflanzten sich in etlichen Clubs und Kneipen nieder und öffneten Buden wie das Dolce Vita oder den 69 Club. Für die Leute aus der Gegend war so etwas total neuartig. Einer der Angestellten wurde kurz danach in seinem Mark 10 Jaguar erschossen aufgefunden. Danach geriet alles aus den Fugen. Diese unterschiedlichen Seiten faszinieren mich.
Die Amerikanisierung unserer Kultur verzögert sich, aber im Endeffekt trifft sie auch hier ein. In den Sechzigern gab es unseren ersten Fruit Machine Mordfall, in Notting Hill gab es letztens unseren ersten Drive By Todesfall.

2. boom, like that
Ray Kroc ist ein Visionär, der Mann, der McDonalds zu einer Weltmacht machte. Ich habe sein Buch gelesen und danach wollte ich mehr über ihn wissen. Es gibt einen Unterschied in dem was wir denken, was er angeblich gemacht hat und dem was er tatsächlich gemacht hat. Viele Leute denken, dass er das amerikanische Wirtschaftsmodell erfunden hat, nachdem etliche Riesenkonzerne heutzutage günstig Essen und Getränke verkaufen. Dann gibt es Anti-Globalisierungsgruppen, die ihn als eine Art Satan betrachten.

3. sucker row
Vor einer paar Jahren fuhr ich mit Chet Atkins durch Nashville. Dabei kamen wir an billigen T-Shirt Geschäften vorbei, wo Touristen gerne Geld lassen und an Kneipen, in denen reiche Kids den ganzen Tag rumsitzen und Bier trinken. Wir nannten diesen Stadtteil „Sucker Row" Ich wandelte diesen Bezirk mit meiner Fantasie in eine Go-Go Meile um, die wohl eher Las Vegas ähnelt.

4. the trawlerman' song
Ich sah ein Fischerboot in einem ausgetrockneten Hafen liegen. Danach stellte ich mir einen Fischer vor, der hofft, dass seine große Liebe auf ihn wartet, sobald er von der langen Meeresreise wieder heimgekehrt ist. Also ein durchaus romantischer Song.

5. back to tupelo
Zur Zeit von Elvis war es eigentlich sekundär, der König des Rock`n`Roll zu sein. Hollywood war damals noch viel größer. Natürlich merkte dies  Elvis und etablierte sich bald als Schauspieler in Hollywood. Es gibtheute noch Musikmanager, die den Streifen Colonel Parker („The Lying Dutchman“) verehren, obwohl dieser Film seine Karriere ruinierte.
Nichts hat sich seitdem geändert. Die Fehler, die bei diesem Film gemacht wurden, werden immer noch nicht angesprochen. Die meisten Jugendlichen wollen unbedingt bekannt werden, koste es was es wolle. Ein Rock oder TV Star zu sein reicht nicht aus. Am besten beides zugleich sein.

6. our shangri-la
Ich habe die Platte in den Shangri-La Studios in Kalifornien aufgenommen. Die Songs handeln aber nicht von Surfern oder dem Meer. Shangri-La bedeutet für mich, das Beste aus seinem Talent zu machen. Seinen eigenen Himmel zu realisieren, auch wenn es nur für eine kurze Zeit sein sollte. Wir müssen lernen, den Moment zu genießen und nicht immer nach vorne oder hinten zu schauen. Nostalgie wird völlig überwertet.

7. everybody pays
" Pays" handelt davon, dass du als Musiker einen bestimmten Preis zahlen musst. Du kriegst immer wieder einen Tritt in den A r s c h und musst das sofort wegstecken. Vor zehn Jahren habe ich das alles durchgemacht. Die Businessseite der Branche hat mich extrem gestört. Ich war im ständigen Konflikt mit meinen jugendlichen Wunschvorstellungen.

8. song for sonny liston
Als ich noch zur Schule ging, war Sonny Liston der düstere, unbezwingbare Typ, den Muhammad Ali erst mal schlagen musste. Liston machte alle Gegner total locker fertig. Er konnte mit einem vollen Magen in die Arena schlendern, dort seinen Gegner Floyd Patterson lässig wegpusten und später noch in einem Club tanzen und trinken gehen. Er war der König, der niemals lachte. Als sie ihn tot in seinem Apartment fanden, hatte er Heroin in der Blutbahn und lauter Nadelspuren im Arm. Dabei hasste er Spritzen.
Ich habe das Buch „Night Train" (in den USA als " Devil In Sonny Liston" bekannt) gelesen, das Nick Tosches schrieb. „Night Train" war ein Song, den Sonny immer beim Training hörte. Was ich seltsam fand, war die Tatsache, dass niemand genau wusste, wann Sonny zur Welt kam und wann er genau starb. Diese Symmetrie finde ich bemerkenswert.

9. whoop de doo
Der Ausgangspunkt war der Ausdruck " de do" Leugnung ist ein fester Bestandteil der menschlichen Natur. Dieser Song handelt vom protagonistischen Leugner. Meine Version von I`m not in Love, und es hat nichts mit meinem Leben zu tun.

10. postcards from paraguay
Diesen Song habe ich meinem Finanzberater Ronnie gewidmet. Eine Geschichte, die von einem Betrüger handelt, der sich mit einer gewissen Summe aus dem Staub gemacht hat.

11. all that matters
Ein Countrywalzer, der meine frühe Vorliebe für amerikanische Musik wiederbelebt. Es gab eine Bandversion von dieser Nummer, doch entschieden wir uns für das Duett zwischen mir und Richard Bennett.
Eigentlich spiegelt der Song den Gedanken von „Our Shangri-La" wieder, der Moment zählt und sonst nichts.

12. stand up guy
Essentiell gesehen, ist der Vordermann immer noch die Anspruchsperson Nummer Eins. „Stand Up Guy" hat mit der Geschichte des Radios zu tun, wie sich Werbung auf die Masse merklich gemacht hat. Geldgeile Geschäftsleute schnuppern oft an erfolgreichen Ölmogulen herum, weil sie sie radiotechnisch miteinbeziehen wollen.
So gesehen, wird der Song von jemandem gespielt, der die Gitarre, wie auch das Banjo beherrscht. Vor Jahren mussten schwarze Musiker vielseitig sein, denn von einem Instrument allein konnten sie nicht überleben. Sie mussten überall und nirgends auftreten, nur um die Ölmogule zufrieden zu stellen. Diese Typen waren komplett geistig abwesend, sie waren nur damit beschäftigt, ihr Geld in irgendeiner Form von Unterhaltung auszugeben.

13. donegan' gone
Lonnie Donegan, Hank und die Shads konnten mich als Kind unheimlich begeistern. Sie waren mir sehr wichtig. Ich beschäftigte mich zu meiner Country-Blues Periode ausgiebig mit der Bottleneck Gitarre. Das letzte Mal als ich die Bottleneck Gitarre spielte, war zu Dire Straits Zeiten ("Water Of Love"). Im Juni wirkte ich bei einem Lonnie Donegan Tribut Abend mit. Ich spielte „ Gone" mit Joe Brown zusammen und es machte unheimlich viel Spaß. Ich finde es fantastisch, wenn meine Musik genau dem Zweck dient, dem sie ursprünglich dienen sollte.

14. don' crash the ambulance
Ich dachte mir diesen Satz aus, " Crash The Ambulance" Daraus entstand dieser Song. Ich stellte mir vor, dass gegenseitige Kräfte ihre Positionen wechseln würden. Ein Hausmeister mit seinem Vorgesetzten oder eine Gruppe von Generälen aus dem Pentagon, die sich plötzlich fragen: "Wo ist der Irak überhaupt."




Gruß
Jürgen
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