Autor Thema: Onkyo TA-2060 - kleine Vorstellung  (Gelesen 6052 mal)

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Offline kuni

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Onkyo TA-2060 - kleine Vorstellung
« am: Samstag, 30.Juli.2011 | 19:35:22 Uhr »
So Leute, habe ein neues Restaurationsprojekt gestartet.
Das Onkyo TA-2040, welches ich vor einiger Zeit unter der Fuchtel hatte (http://new-hifi-classic.de/forum/index.php?topic=6042.0), hat mich bzgl. seinen Leistungen (in der Klasse) doch sehr überrascht, so daß ich mich auf die Suche nach dem nächst größeren, dem TA-2060 gemacht habe.

Im Eifer des Gefechts habe ich es schon zerlegt, so daß ich erst mal keine vernünftigen Außenansichten zeigen kann, dafür aber schon mal was technisches:

Die nackigen Zappelzeigerchen:



Innenaufbau:



Für mich interessantestes Feature  :__y_e_s: - wir haben es mit einem 2 Motoren Gerät zu tun, bei dem aber einer die Capstanwelle direkt  :_good_: antreibt (der große schwarze). Der andere treibt über einen Pulley + Idler die Wickeldorne an. Ein Konzept, das ich noch nie gesehen hatte und mir immer schon dachte, wieso das eigentlich keiner so macht   .,111



Hier das Gebilde für den Wickelantrieb (Pulley + Idler):





Die Kopfsektion:



Antriebstechnisch also endlich mal ein vglw. einfaches Deck, welches ohne eine Mordsanzahl Riemen/Gummis auskommt und mEn als recht zuverlässig gelten dürfte.

Die beiden Riemen, die man sieht, gehen links an einen Magneten + Hallsensor (Drehüberwachung des Wickels) und rechts ans Zählwerk.
Das war's auch schon.

Dann halt noch der Idler selber, der auch gleich mal schwächelt  :_thumbdown_: - es wickelt nicht mehr richtig. Wie man aber sehen kann, kommt man nach Abbau der Frontplatte nebst Abdeckblech im LW-Schacht prima da dran.

Hat also alles, was man sich so wünscht und man kann gespannt sein, wie es sich schlagen wird....
« Letzte Änderung: Samstag, 30.Juli.2011 | 19:43:40 Uhr von kuni »
Gruß, Kuni
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Re: Onkyo TA-2060 - kleine Vorstellung
« Antwort #1 am: Dienstag, 09.August.2011 | 13:33:44 Uhr »
Hi zusammen,

das Deck scheint nicht gerade die Aufmerksamkeit der "Allgemeinheit" auf sich zu ziehen  :cray:
Dennoch möchte ich hier noch ein paar Worte verlieren, da ich während der Abgleicharbeiten letzte Woche doch einige "Schmankerl" entdeckt habe, die man diesem unscheinbaren Deck so ad-hoc nicht ansieht.

Es hat sich gezeigt, daß Onkyo hier sowohl technisch, als auch bzgl. der Ausstattung ein 100% rundes Gerät auf die Matte gestellt hat.
Auf www.vintagecassette.com ist das TA-2060 mit einem Preis von US$470 gelistet. Damit ist es ja eher im unteren Preissegment angesiedelt. Genau dieser Umstand hat mich dann aber doch staunen lassen. Vor allem die Ausstattung ist m.A.n. derart praxisbezogen, wie ich es noch selten gesehen habe:

Ausstattung Highlights:
- 2 Motoren (1x direkt getriebener Capstan, 1x Motor für Wickeltrieb), d.h. vor allem für der antriebsrelevanten Capstan hat man hier einen Direktantrieb gewählt.
- 3 Köpfe
- Neben Fe und Cr auch metallbandtauglich
- Dolby B + HX-Pro
- Zeigerinstrumente mit Peak Charakteristik
- Beim Rückspulen anwählbares Verhalten: Stop oder Play ab erreichtem Zählerstand "000"
- REC Mute Taste zum Einfügen von Pausen während der Aufnahme

Soweit könnte man sagen, ist das noch nichts soooooo besonderes. Der "Burner" in dieser Preisklasse sind aber die folgenden Features:
- Fade In/Out Regler um nachträglich, also während des Abspielens eine schon gemachte Aufnahme nachzubearbeiten.
- Integrierter Testtongenerator mit 2 Frequenzen und manuelles Einmessen. Onkyo nennt das "Auto ACCUBIAS". Dabei wird abwechselnd ein 333Hz und ein 10kHz erzeugt. Man verdreht den BIAS manuell und gleicht dabei letzten Endes den BIAS (bei 10kHz) auf den intern abgeglichenen Rec-Level (bei 333Hz) ab. Das ist eine sehr einfache und doch effiziente Version der Einmessung von außen.
Im Vergleich dazu möchte ich noch erwähnen, daß ja etliche Decks einen von außen zugänglichen BIAS Regler haben, einem aber eine Kontrollmöglichkeit (interner Generator + Abgleich an der Anzeige) verweigern. Es muß dann nach Gehör eingestellt werden, was m.M.n. nicht taugt - zumindest nicht für Jedermann.

Daß das Gerät mir 6,5kg vglw. schwer ist (immer ein erstes Indiz für solide Verarbeitung) sei hier der Vollständigkeit halber auch noch erwähnt.

Technik:
Eine erste Frequenzgangaufnahme hatte ich letzte Woche noch gemacht, um die Einstellungen mal kurz gegen zu prüfen. Dabei kam das Onkyo mit Normalband locker auf die spezifizierten 17kHz (bei -3dB).

Interessant und auch bei den ganz teuren Decks keine Selbstverständlichkeit ist, daß man Back Tension (Bandzug auf der abwickelnden Seite) und Play Torque (Bandzug auf der aufwickelnden Seite) per Poti einstellen kann !!!!!

Bzgl. Gleichlauf ist es mit 0,04% WRMS spezifiziert, wobei ich 0,05% (DIN bewertet) gemessen habe. Das ist insofern super, als daß ich so gute Werte bei einfacheren Decks nach sovielen Jahren noch selten messen konnte. Geschwindigkeit paßte auf 0,01% genau, da war also nichts nachzustellen.

Das Deck stammt ja aus erster Hand von einem Kollegen von mir. D.h. ich kann absolut sicher sein, daß da ab Werk keiner dran gedreht hat - so hat er es mir berichtet.
Umso erstaunlicher deswegen auch, daß ganz allgemein an den Einstellungen nicht viel gemacht werden mußte. Man hört ja immer wieder, daß die Werkseinstellungen soooo optimal mitunter nicht gemacht wurden. Das hat man wohl bei Onkyo etwas anders gesehen, oder mein Exemplar ist die rühmliche Ausnahme.
Gruß, Kuni
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Re: Onkyo TA-2060 - kleine Vorstellung
« Antwort #2 am: Samstag, 08.Februar.2014 | 11:33:15 Uhr »
Hi zusammen,

dieser Tage erreichte mich ein TA-2060, bei dem Idler und Riemen erneuert wurden, aber dennoch folgende Probleme auftraten:
  • Bandsalat am Capstan
  • Spulen geht nur kurz, dann "rutscht was" -> schaltet ab
  • Bei Play -> schaltet häufig nach ein paar Sekunden aus

Mein Verdacht war, daß das an zu geringem Auf-/Abwickelmoment liegen könnte. Also erst mal ein paar Untersuchgungen gemacht:
  • Driving Power (Andruck Rolle zu Cpastan): 120g = iO
  • Abwickelmoment: konstant 10g-cm = iO
  • Aufwickelmoment: stark schwankend zwischen 20 ... 40g-cm = niO

Also habe ich die Front des LW's mal aufgemacht und geschaut. Dort zeigte sich ein vermutlich neuer Idler-Gummi mit einem AØ = 15,5mm (im eingebauten Zustand). Das wäre an sich ok gewesen - hatte ich an meinem schon mal reparierten TA-2060 auch.

Die Oberfläche schien mir aber wenig griffig, also habe ich das mal in Aktion beobachtet und gesehen, daß der Idler keinen ausreichenden Grip an den Wickeldornen hat.

Ein Austausch des Idler-Gummis, durch einen mit weicherem Gummi und ebenfalls AØ = 15,5mm brachte keine Veränderung. Also weiter gesucht und das Idler-Rad mal genau unter die Lupe genommen. Da fiel mir auf, daß das Rad seltsam "runter hängt":



Spielt man an dem Kunststoffrad, dann "lommelt" das unglaublich. Habe das mal abgefilmt:
http://new-hifi-classic.de/Gallery/albums/userpics/09_Onkyo_TA-2060_Idler_locker_Marcel.mpeg

Also in das SM geschaut. Es geht um das hier rot markierte Kompletteil:


Das sitzt mit einer Scheibe (ist alles ein einziges Teil) auf einer Achse und scheint dort im Laufe der Zeit so auszuleiern, daß sich irgendwann viel zuviel Spiel entwickelt. Also eigentlich ein Fall für den Schrott, da sowas ja nicht mehr zu bekommen ist.

Ich habe nun versucht, das Dingens irgendwie doch noch zu retten.
  • Also habe ich Eckventildichtungen (AØ = 14mm, IØ =10mm, B = 4mm) genommen.
  • Die haben sich schon öfter als Material für Idler bewährt, weil sie genau die richtige Gummimischung haben.
  • Davon eine 2mm starke Scheibe abgeschnitten und plan geschliffen.
  • Damit ergibt sich aber in eingebautem Zustand ein AØ = 16,6mm, was aber zu viel ist.
  • Der Idler läuft dann nicht mehr parallel zu den Reibrädern an den Wickeldornen, läuft schräg darauf weg und rutscht dann ruckartig immer wieder in Position. Das hört man im laufenden Betrieb dann als permanentes "knack, knack".
  • Zudem ist das Aufwickelmoment damit wieder nicht konstant, aber das Deck spulte schon mal wieder und die Schlaufenbildung am Capstan konnte ich damit auch nicht mehr beobachten.

Also etwas Feintuning betrieben:
  • Ich wußte ja, daß der Ilder eingebaut ca. AØ = 15,5mm haben muß und 16,6mm ergo zu viel ist.
  • Also habe ich eine neue, 2mm breite Scheibe aus dem Eckventilgummi geschnitten.
  • Aufgezogen auf einen runden Filzpolierstift des Dremel.
  • Dann an Schmirgelpapier so lange ab- und rundgeschliffen, bis sich im eingebauten Zustand ein AØ = ca. 16mm ergibt.
  • Damit liegt das Aufwickelmoment nun gemessen bei recht konstanten 40g-cm= iO
  • Dieses "knack, knack" kommt nun (nach etlichen Dauerläufen mit diversen Kassetten) nur noch gelegentlich.
  • Stramm gewickelte Kassetten zieht das Deck dennoch nicht durch. Da haut das ganze Idler-Rad durch das große Spiel nach wie vor ab.

Hier noch Bilder des neuen Idlers:





Fazit:
Meiner Meinung nach ist ein so ausgeleiertes Idler-Rad nicht mehr wirklich zu retten. Oben genanntes ist keine 100%-ige Lösung, aber dennoch eine gute Möglichkeit das Deck mit geringen Einschränkungen wieder ans Leben zu bringen.
Gruß, Kuni
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